Zweiter Weltkrieg Japans Regierung lehnt Entschuldigung für Zwangsprostitution ab

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe will nicht für den Einsatz von Zwangsprostituierten im Zweiten Weltkrieg um Entschuldigung bitten. Er behauptet, dass es keine Beweise für die sexuelle Sklaverei gebe - und stellt sich damit gegen die unter Historikern vorherrschende Meinung.

Tokio - Es sei "nicht durch Fakten erwiesen", dass in der kaiserlichen Armee Frauen zur Prostitution gezwungen worden seien, so Abe. Seine Weigerung hat zu massiver Kritik unter anderem aus Südkorea geführt. Außenminister Song Min Soon forderte Japan auf, sich endlich der historischen Wahrheit zu stellen.

Abes Vorgänger hatten einen offeneren Umgang mit den unrühmlichen Kapiteln in der Geschichte des Landes gepflegt: Der damalige Regierungschef Junichiro Koizumi hatte 2001 sein "tiefes Bedauern" über die "unermesslichen und schmerzlichen Erfahrungen" ausgedrückt, die japanische Soldaten Frauen zugefügt hatten. Bereits 1993 hatte sich die damalige japanische Regierung für die Arbeit von Zwangsprostituierten in der kaiserlichen Armee entschuldigt.

Abe soll bereits am 1. März vor Reportern gesagt haben, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass Zwang auf Frauen ausgeübt worden sei, um als Prostituierte in Soldatenbordellen zu arbeiten. Unter Historikern ist die Existenz der beschönigend "Trostfrauen" genannten Prostituierten jedoch unstrittig. Nach Schätzungen sollen etwa 200.000 Frauen aus Korea, China und anderen Ländern in den dreißiger und vierziger Jahren vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen worden sein.

Im US-Kongress wird derzeit eine Resolution erwogen, in der Tokio zu einer formellen Entschuldigung und zur Übernahme der historischen Verantwortung für die "Trostfrauen" aufgerufen werden soll. Abe betonte, er werde selbst im Falle einer Resolution nicht förmlich um Verzeihung bitten.

jto/dpa/AP

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