Zellulose-Bomben Warnung vor al-Qaidas Schießbaumwolle

Das internationale Terrornetz al-Qaida arbeitet einem spanischen Zeitungsbericht zufolge an der Herstellung von Sprengsätzen auf Zellulose-Basis. Diese "Schießbaumwolle" sei mit den üblichen Durchleuchtungsgeräten auf Flughäfen kaum aufzuspüren.

Madrid - Die amerikanische Bundespolizei FBI habe mehreren Staaten in Europa, darunter auch Spanien, entsprechende Warnungen geschickt, berichtete die Zeitung "El Mundo" am Montag unter Berufung auf spanische Sicherheitskreise.

Die Sprengsätze sollten mit einer Substanz namens Nitrozellulose hergestellt werden, die sehr leicht entflammbar ist und in geschlossenen Behältern eine explosive Wirkung hat. Die Substanz wird auch "Schießbaumwolle" genannt.

Terroristen könnten die präparierte Wolle im Futter von Daunenjacken oder im Innern von Teddybären und anderen Plüschtieren verstecken. Auf diese Weise könnten Sprengsätze unentdeckt an Bord von Flugzeugen geschmuggelt werden. Die Warnungen beruhen laut "El Mundo" darauf, dass bei festgenommenen al-Qaida-Terroristen Handbücher gefunden worden seien, die Anleitungen für die Herstellung solcher Sprengsätze enthielten.

Militärischer Einsatz bis zum Zweiten Weltkrieg

Nitrozellulose wurde bis zum Zweiten Weltkrieg als Treibsatz in Schusswaffen verwendet. Äußerlich gleicht sie auf den ersten Blick normaler Baumwolle, ist aber ein Salpetersäureester der Zellulose - und als solcher ein hoch explosiver Sprengstoff. Seine Eigenschaften wurden zuerst im Jahr 1838 entdeckt und vom Basler Chemiker Christian Friedrich Schönbein nutzbar gemacht. Sein Verfahren zur Herstellung von Schießbaumwolle aus einfacher Baumwolle, die in einer Mischung aus Schwefel- und Salpetersäure getränkt wird, wurde in aller Welt kopiert.

Das Produkt begeisterte zunächst die Militärs: Nitrozellulose war als Treibmittel in Feuerwaffen sechsmal stärker als herkömmliches Schießpulver und entwickelte zugleich weniger Rauch und Hitze. Briten, Preußen und Franzosen stellten die Zellulose-Zünder allerdings nach nur einem Jahr wieder außer Dienst: Das Material war zu empfindlich für den Einsatz im Feld.

Aufwendiges Herstellungsverfahren

Später stellte sich heraus, dass die akribische Säuberung der Baumwolle der Schlüssel zum Funktionieren der Nitrozellulose war. Ohne aufwendige Säuberung und Trocknung konnte sie mitunter ohne Vorwarnung von selbst explodieren - eine Eigenschaft, die Schießbaumwolle als Waffe von Terroristen nicht wahrscheinlicher macht. Der Stoff ist zudem selbst zersetzend und greift durch die Freisetzung von Säure andere Materialien an. Für die kriminelle Verwendung der Nitrozellulose spricht dagegen die leichte Verfügbarkeit der notwendigen Materialien.

Nitrozellulose fand auch in einem vollkommen anderen Bereich Anwendung: Sie wurde von Eastman Kodak seit August 1889 als Grundstoff des ersten flexiblen Filmmaterials verwandt, war bis 1951 in Kinos anzutreffen und der Grund für die feuerfeste Asbest-Verkleidung der Vorführräume.