Vor dem Orkantief Deutsche Bahn stellt Verkehr in weiten Teilen Deutschlands ein

Deutschland rüstet sich für den nächsten Wintersturm: Die Bahn stellt nach und nach Verbindungen ein. Volkswagen hat die Produktion in einem Werk vorsorglich gestoppt. Die Feuerwehr bittet alle Bürger um Vorsicht.
Hauptbahnhof Oldenburg: Der Bahnverkehr wird massiv eingeschränkt

Hauptbahnhof Oldenburg: Der Bahnverkehr wird massiv eingeschränkt

Foto: Eibner/Fabian Steffens / imago images/Eibner

Auf »Ylenia« folgt »Zeynep« – mit womöglich noch stärkeren Böen. Ab Nachmittag soll der Orkan vor allem die Nordhälfte erfassen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 km/h und gab großflächige Unwetterwarnungen heraus, die Deutsche Bahn stellte in weiten Teilen des Landes ab Freitagnachmittag sukzessive ihren Verkehr ein.

Im Fernverkehr werden demnach ab dem Nachmittag alle Verbindungen nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin eingestellt. Auch auf den in Ost-West-Richtung quer verlaufenden Strecken von Köln über Hannover bis Berlin sowie zwischen Berlin und Frankfurt am Main nach Amsterdam sollen keine ICE- oder IC-Züge mehr verkehren.

Der Stopp des Regionalverkehrs betrifft die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sowie zusätzlich große Teile von Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Zusätzlich ruht nach Bahnangaben auch der Verkehr auf bestimmten Regionalstrecken in Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie Sachsen-Anhalt. Teils sollen Ersatzbusse fahren.

Die Verbindungen in den betroffenen Gebieten sollen gestaffelt ab dem Nachmittag auslaufen, teils aber noch bis in den frühen Abend aufrechterhalten werden. Die S-Bahnen in Hamburg und Berlin fahren weiter, wie eine Sprecherin der Bahn dem SPIEGEL sagte. In Hamburg sollen U-Bahnen und S-Bahnen allerdings auf einzelnen Linien in äußeren Bezirken aus Sicherheitsgründen auf Ersatzverkehr mit Bussen umgestellt werden.

Die Bahn warnte vor Verkehrsbeeinträchtigungen auch in nicht direkt vom Sturm betroffenen Gebieten und schloss weitere lageabhängige Streckenstilllegungen nicht aus. Ein Unternehmenssprecher nannte die Unwetterwarnungen »gravierend« und rief Reisende dazu auf, Fahrten möglichst zu verschieben. Es gälten erneut Kulanzregelungen, gekaufte Tickets blieben gültig.

Der Wetterdienst gab flächendeckende Unwetterwarnungen für den Norden sowie die Mitte und den Osten Deutschlands heraus. Lediglich Baden-Württemberg, der allergrößte Teil Bayerns sowie die südlichen Regionen Hessens, des Saarlands und von Rheinland-Pfalz waren nicht betroffen.

VW lässt Arbeit ruhen

Wegen des herannahenden Orkantiefs setzt Volkswagen die Produktion in seinem Emder Werk vorerst aus. Eine VW-Sprecherin sagte, die Spät- und die Nachtschicht am Freitag entfielen. Die Beschäftigten wurden aufgerufen, zuhause zu bleiben. Dies passiere aus Vorsicht, sagte die VW-Sprecherin. Es gehe darum, die Beschäftigten auf ihrem Weg von und zum Werk vor dem Unwetter zu schützen.

Am Samstag solle zudem die Frühschicht mit der Arbeit etwas später beginnen. Wie viele Arbeiterinnen und Arbeiter betroffen sind, ist nicht bekannt. Bei VW in Emden arbeiten insgesamt rund 9000 Menschen.

Der Sturm sollte ab dem Nachmittag eintreffen und vor allem in der Nacht zu Samstag wüten. Meteorologen und Feuerwehren riefen die Bevölkerung zu höchster Vorsicht auf und bereiteten sich auf zahlreiche Einsätze vor. Menschen sollten sich möglichst nicht im Freien aufhalten und auf nicht unbedingt nötige Wege und Fahrten verzichten. Insbesondere vor einem Betreten von Wäldern und Parks wurde gewarnt. Gebäudeschäden und blockierte Straßen seien möglich.

Demnach sollten Menschen auch ihre Häuser und Grundstücke sturmfest machen sowie Autos wegen der Gefahr von Schäden durch herabfallende Äste und Dachteile nicht an Häusern oder Bäumen parken. Zugleich baten Feuerwehren wegen einer drohenden Überlastung der Leitstellen darum, Schäden nur in dringenden Fällen per Notruf zu melden. Sonst könnten Meldungen zu lebensbedrohlichen Situationen blockiert werden.

Orkantief »Zeynep« ist das zweite starke Sturmtief über Deutschland binnen weniger Tage. Erst am Mittwoch und Donnerstag hatte das Tief »Ylenia« bei seinem Zug über Deutschland großflächige Ausfälle im Zugverkehr und Tausende Feuerwehreinsätze ausgelöst. In zahlreichen Regionen wurden Bäume entwurzelt und Häuser beschädigt. Es gab auch Tote und Verletzte. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt starben laut Polizei drei Autofahrer, weil ihre Wagen von umstürzenden Bäumen getroffen oder durch Sturmböen in den Gegenverkehr gedrückt wurden.

jpz/dpa/AFP
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