»Zeynep« wütet in Europa Mindestens acht Sturmtote – Hunderttausende Haushalte ohne Strom

Sturm »Zeynep« richtet in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden schwere Schäden an. Durch umstürzende Bäume bestand Lebensgefahr. Und in Deutschland »kehrt einfach keine Ruhe ein«, sagt ein Metorologe.
Umgestürzter Baum im britischen Leatherhead: Der Sturm richtet schwere Schäden an – und bringt Lebensgefahr

Umgestürzter Baum im britischen Leatherhead: Der Sturm richtet schwere Schäden an – und bringt Lebensgefahr

Foto: ANDREW BOYERS / REUTERS

Das Orkantief »Zeynep« hat Europa mit Wucht getroffen. Mehrere Menschen kamen infolge der heftigen Böen ums Leben. Vielerorts richtete der Sturm Zerstörungen an. Hunderttausende Haushalte hatten keinen Strom.

Durch das international »Eunice« genannte Tief starben in Großbritannien, Irland, Belgien und den Niederlanden mindestens acht Menschen.

Im Norden Londons kam nach Angaben der Polizei eine junge Frau in einem Auto ums Leben, nachdem ein Baum auf das Fahrzeug gestürzt war. Im Nordwesten Englands starb der örtlichen Polizei zufolge ein Mann, nachdem Trümmerteile auf die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs gefallen waren. Auch im Südosten des Landes starb ein junger Mann. In Irland wurde ein älterer Mann von einen Baum erschlagen.

In den Niederlanden kostete das Unwetter mindestens drei Menschen das Leben. In Amsterdam wurde ein Mensch von einem umstürzenden Baum erschlagen, teilte die Feuerwehr mit. Wenige Stunden später wurde ein Fahrradfahrer im Süden der Stadt von einem Baum getötet. In Diemen im Osten der Hauptstadt starb ein Mensch, nachdem ein Baum auf sein Auto gefallen war. In Belgien starb ein 79-Jähriger offenbar, nachdem der Wind ihn von seinem Hausboot ins Wasser geweht hatte.

Hunderttausende Haushalte ohne Strom

In England fiel in mehr als 140.000 Haushalten der Strom aus, wie der Netzbetreiber mitteilte. Auf den Londoner Flughäfen wurden Hunderte Flüge gestrichen. Am Flughafen von Gatwick, wo Windgeschwindigkeiten bis zu 125 Kilometer pro Stunde gemessen wurden, musste ein Flieger zweimal die Landung abbrechen und dann ins französische Bordeaux zurückkehren.

Auch der Fährverkehr über den Ärmelkanal nach Frankreich, wo es ebenfalls Sturmfluten an den Küsten gab, wurde ausgesetzt. In Wales stellten Züge und Busse ihre Fahrten ein. Die britische Armee wurde wegen des Sturms in Bereitschaft versetzt. Ein Vertreter der britischen Umweltbehörde warnte davor, für Fotos oder Videos an die Küste zu gehen. Dies wäre »wahrscheinlich das Dümmste, was Sie tun können«, sagte er.

In Irland fiel in mehr als 80.000 Haushalten und Geschäften der Strom aus.

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»Zeynep« tobt über Deutschland

Foto: Axel Heimken / dpa

In Frankreich wurden mindestens elf Menschen verletzt. Im Norden des Landes waren am Abend rund 130.000 Haushalte ohne Strom. Wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte, rückten rund 700 Techniker mit schweren Fahrzeugen aus, um die Stromversorgung wieder herzustellen und Schäden am Leitungsnetz zu beheben. Der Wetterdienst hob unterdessen die Unwetterwarnung für fünf Departements im Norden wieder auf. In der Nacht wurde aber weiter mit heftigem Niederschlag an der Küste und sehr starkem Wind gerechnet.

»Es kehrt einfach keine Ruhe ein«

In Deutschland erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD), dass der Orkan gegen Mitternacht die Nordseeküste erreicht. Es ist die zweite schwere Sturmlage in Deutschland innerhalb kurzer Zeit. Mindestens bis Montag soll es stürmisch bleiben, wie es vom DWD heißt. »Es kehrt einfach keine Ruhe ein«, sagte ein Meteorologe.

Schwerpunkt der neuen Unwetterlage sollte den Experten zufolge bis Samstagfrüh die Nordhälfte Deutschlands sein. Der DWD gab aber auch für südlichere Regionen – Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und für nördliche Regionen Bayerns – Unwetterwarnungen vor orkanartigen Böen heraus.

Für die Nacht zu Samstag wurden an der Nordseeküste Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde erwartet. In der zweiten Nachthälfte sollte »Zeynep« auf die Ostseeküste treffen und dann allmählich nachlassen. Damit sei die Unwettergefahr erst einmal gebannt, auch wenn es stürmisch bleibe, sagte ein DWD-Meteorologe.

ptz/AFP/dpa/Reuters
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