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AKTFOTOGRAFIE »Ziemlich großer Coup«

aus DER SPIEGEL 42/1997

TV-Schauspielerin Andrea L''Arronge hat den Bauer Verlag durch eine einstweilige Verfügung gezwungen, die neueste Ausgabe des PLAYBOY aus dem Handel zu nehmen. Grund: die Veröffentlichung 21 Jahre alter Nacktfotos.

SPIEGEL: Warum sind Ihnen die Fotos so peinlich?

L'Arronge: Die sind mir überhaupt nicht peinlich, weil es da nichts gibt, wofür man sich schämen müßte. Sogar meine Tochter findet sie schön. Nur: Die heutige Veröffentlichung ist mir peinlich, weil sie den Eindruck erweckt, ich wäre damit einverstanden. Außerdem sind Verträge dazu da, um eingehalten zu werden. Die Fotos durften nur einmal abgedruckt werden. Tatsächlich aber sind sie seitdem siebenmal erschienen - im PLAYBOY, aber auch in BILD, WOCHENEND und NEUE REVUE. Irgendwann wird man sauer.

SPIEGEL: Warum ließen Sie sich überhaupt nackt am Strand liegend fotografieren?

L'Arronge: Verrückte Zeiten. Sogar Ruth Maria Kubitschek hat da in einem Sexfilm mitgespielt. Als der PLAYBOY mich fragte, ob ich mich ausziehen würde, dachte ich: Ich will auch einmal etwas Verrücktes tun. Dabei war ich unglaublich prüde. Ich habe noch nie eine Nacktszene gedreht und hätte mich auch nie zwecks Orgasmusförderung unter die Dusche gestellt und mit Shampoo gespielt. Jedenfalls wollte ich, daß die Fotos nur einmal erscheinen.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich, daß der Verlag dieses Foto trotzdem druckt?

L'Arronge: Das wüßte ich auch gerne. Mittlerweile habe ich das Gefühl, daß die mich überhaupt nicht ernst nehmen, obwohl ich schon mehrmals Schmerzensgeld bekommen habe. Diesmal muß der Verlag wohl ein Ordnungsgeld von 100 000 Mark zahlen. Wohlgemerkt: nicht an mich, sondern an die Staatskasse. Außerdem werde ich Strafanzeige erstatten und auch zivilrechtlich vorgehen.

SPIEGEL: Möglicherweise ein folgenreicher Präzedenzfall.

L'Arronge: Wir haben einen ziemlich großen Coup gelandet. Diese Entscheidung wird Geschichte machen. Die Presse muß die Persönlichkeitsrechte ernster nehmen.

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