Zipfelmützenalarm Aufstand der Zwerge

Fernsehen oder Nicht-Fernsehen - das ist momentan in Chemnitz die Hauptfrage. Beim ersten bundesweiten Kongress der Zwerge geht es um fundamentale Rechte in deutschen Vorgärten.


Wir sind das Zwergen-Volk!
DDP

Wir sind das Zwergen-Volk!

Chemnitz - Rasenmäher sind ihnen ein Gräuel, spitze Hacken und Gartenschaufeln ebenso. Nun platzt ihnen die Zipfelschnur: Gartenzwerge aus allen Teilen Deutschlands gehen in Chemnitz für ihre Rechte auf die Straße.

Vor dem Rathaus der Stadt machen die rot bemützten Wichte nun mobil und fordern mehr Toleranz und Rücksicht gegenüber ihresgleichen. Nach Angaben des Sächsischen Landesverbandes wollen sie vor allem ein angenehmeres Zwergenleben führen können.

Doch es geht um mehr. Schluss mit der Benachteiligung und ein Recht auf Bildung - damit sie sich im Fernsehen fortbilden können, forderten die kleinen Mützenträger in einer Petition "keine Gartenstehzeit mehr nach 17.00 Uhr". Auch die Zahl der Sonnenstunden sind ihnen ein Ärgernis. Sie fordern daher mehr schöne Tage und besseres Wetter. Schließlich setzt ihnen der saure Regen ganz schön zu.

Dass die Gartenzwerge ein alles andere als langweiliges Leben führen, wird dadurch deutlich, dass sie auf die lebensbedrohliche Situation in so manchem Vorgarten hinweisen. Aus Sicht der Zwerge ist daher die wohl wichtigste Forderung die Einführung eines Rasenmäherführerscheins. Viele Klein- und Hobbygärtner hätten ihre Gefährt nicht im Griff, so mancher Gartenzwerg würde deswegen Jahr für Jahr durch den rücksichtlosen Umgang mit dem Rasenmäher verletzt, so die Klage. Wer betrunken Rasen mähe, solle zudem so viele Punkte in Flensburg bekommen, wie auf einem Fliegenpilz sind.

Seit Ende vergangener Woche haben sich Gartenzwerge und deren -freunde in Chemnitz zum ersten Deutschen Kongress der Gartenzwerge zusammengefunden. In Arbeitsgruppen beschäftigen sich die so genannten Nanologen zum Beispiel mit der Geschichte des Wichtelkults. Geklärt werden soll zudem die Frage, was es mit dem Giftzwerg auf sich hat, von dem jeder spricht, aber keiner weiß, wie er tatsächlich aussieht. Die Vorstellungen über den kleinen bösen Gnom reichten von giftgrün bis hin zu einem bewaffneten Wichtel mit vergifteten Pfeilen, sagte der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge, Fritz Friedmann.

Privat fühlen sich die Zwerge ganz schön einsam: Sie setzen sich dafür ein, endlich einen weiblichen Gegenpart an ihre Seite zu bekommen. Wie es trotzdem dazu kommt, dass sie sich immer weiter vermehren, wird wohl auch auf diesem Kongress nicht geklärt werden können.



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