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Freiburger Missbrauchsbericht Zollitsch verzögert Veröffentlichung

In der Erzdiözese Freiburg verschiebt sich die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Nach SPIEGEL-Informationen muss wegen einer Forderung von Alt-Erzbischof Robert Zollitsch noch ein Rechtsgutachten erstellt werden.
aus DER SPIEGEL 42/2022
Robert Zollitsch, einst Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, verurteilt sein eigenes Fehlverhalten im Erzbistum Freiburg

Robert Zollitsch, einst Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, verurteilt sein eigenes Fehlverhalten im Erzbistum Freiburg

Foto: Patrick Seeger / dpa

Die für Oktober geplante Veröffentlichung des Missbrauchsberichts der Erzdiözese Freiburg ist wegen rechtlicher Bedenken auf April 2023 verschoben worden. Es kommt nach SPIEGEL-Informationen zu der Verzögerung, weil der frühere Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch durch einen Juristen umfassende Akteneinsicht gefordert hat.

Aus: DER SPIEGEL 42/2022

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Ein vom Erzbischöflichen Ordinariat in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten soll klären, ob und welche Einblicke dem 84-Jährigen gewährt werden. Zollitschs Berater, der Jurist Marco Mansdörfer, weist den Vorwurf zurück, dass Zollitsch die Veröffentlichung behindere: »Der Emeritus wird zu Vorgängen befragt, die zum Teil Jahrzehnte zurückliegen oder auch Vorgänge im Ordinariat betreffen können, die nach seinem Ausscheiden aus dem Amt liegen.« Er könne ohne Akteneinsicht »nicht hinreichend seriös zur Wahrheitsfindung beitragen«.

Zol­litsch steht unter Verdacht, die Aufklärung von Missbrauchsfällen vertuscht zu haben. Er war von 2003 bis 2013 Erzbischof in Freiburg und davor zwei Jahrzehnte lang Personalreferent in der Erz­diözese.

Zollitsch gesteht »gravierende Fehler« ein

Nach Jahren des Schweigens zu seiner eigenen Schuld meldete sich Zollitsch vor Kurzem in einer Videobotschaft zu Wort und gab zu, dass er »entsprechend der kirchlichen Tradition« versucht habe, »Fälle sexualisierter Gewalt und Missbrauchs intern zu behandeln«. Er habe »gravierende Fehler gemacht und die Gefahren – auch von erneutem Missbrauch – verkannt«.

Magnus Striet, Vorsitzender der Freiburger Aufarbeitungskommission, bedauert die Verschiebung der Veröffentlichung: »Aber wir konnten nicht Personen Einsicht in teils hochsensibles Aktenmaterial geben, die dazu möglicherweise überhaupt keine Berechtigung haben.« Das sei auch unmissverständlich kommuniziert worden. Im Übrigen habe Zollitsch bis 2014 sehr viel Zeit gehabt, um den Missbrauchsskandal in Freiburg vollumfänglich aufzuklären.

kek
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