Freilassung von Tieren Diskussion um Zoo-Schließungen in Costa Rica

Tiere gehören nicht in Käfige - diese Ansicht vertritt die Regierung Costa Ricas. Sie will beide Zoos des Landes schließen und viele der dort gehaltenen Tiere freilassen. Doch die drastische Maßnahme findet nicht nur Freunde.

Klammeraffe im Zoo von San Jose: Für die Freiheit entschieden
REUTERS

Klammeraffe im Zoo von San Jose: Für die Freiheit entschieden


San Jose - Ein Naturparadies mit unberührter Landschaft und einzigartiger Tierwelt - so vermarktet sich der Karibikstaat Costa Rica auf dem Touristikmarkt, und das mit einigem Erfolg. Wohl auch, weil solvente Ökotouristen kein Faible für Käfighaltung haben, kündigte die Regierung in San Jose jetzt drastische Maßnahmen an: Aus Tierschutzgründen sollen sämtliche Zoos in Costa Rica geschlossen und die Tiere soweit möglich freigelassen werden.

Nun muss man wissen, dass Costa Rica kein sehr großes Land ist - es gibt dort lediglich zwei Tierparks mit insgesamt 400 Bewohnern, darunter ein Löwe, Krokodile, Affen und ein Tapir. Dennoch hat der von Umweltminister René Castro angekündigte Schließungsplan einigen Wirbel verursacht - und längst nicht alle Beobachter sind von dem Schritt begeistert.

Danach soll der 97 Jahre alte Simon-Bolivar-Zoo in San Jose 2014 zum Botanischen Garten umgestaltet werden. Eine weitere Einrichtung westlich der Hauptstadt soll ebenfalls schließen. Die dort gehaltenen Tiere sollen ausgewildert werden oder in entsprechenden Heimen unterkommen.

Sorge um Sicherheit der Tiere

Für Widerstand sorgt der Plan vor allem bei Fundazoo, dem Betreiber der beiden Parks. Ein Sprecher teilte mit, die Stiftung habe vor einem Verwaltungsgericht auf Aussetzung der Pläne geklagt, schließlich besitze man gültige Verträge, nach denen Fundazoo die Einrichtungen bis 2024 betreiben darf. Außerdem sorge man sich um die Sicherheit der Tiere. Nur in den beiden Zoos gebe es entsprechend spezialisierte Veterinäre.

Umweltminister Castro erläuterte sein Vorhaben auf ungewöhnlich romantische Weise. "Eines Tages nahmen wir unseren Papagei mit nach draußen, auf die Terrasse", zitiert ihn die Zeitung "La Nacion". "Ein Schwarm wilder Papageien flog vorbei, und unser Vogel flog mit ihnen fort." Es habe ihn tief beeindruckt, dass das Tier sich für die Freiheit entschieden habe, obwohl sich Menschen zuvor liebevoll um es gekümmert hatten.

Etwas pragmatischer sieht die Angelegenheit ein Tierarzt am Simon-Bolivar-Zoo. "Wenn sie hier zumachen, wird kein einziges der Tiere freigelassen werden können", zitiert CNN Randall Arguedas. "Die meisten haben Verletzungen, können nicht fliegen oder nicht mehr richtig sehen. Manche haben ihre natürlichen Instinkte verloren. Sie werden ihr ganzes Leben in Gefangenschaft verbringen müssen."

Sorge bereiten die Regierungspläne auch den privaten Tierasylen und Aufzuchtstationen im Land, die die ehemaligen Zoobewohner aufnehmen müssten. Schon jetzt platzen viele der Einrichtungen aus allen Nähten. "All die Tiere aus den Zoos unterzubringen, dürfte noch schwieriger werden", sagte die Sprecherin eines solchen Heims dem Magazin "National Geographic".

Bereits im Jahr 2002 hatte Costa Rica ein Verbot für Zirkusse, in denen Tiere auftreten, erlassen. Auch Jagen als Freizeitbeschäftigung ist in dem Land verboten.

rls/AP

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
the_chief2k 08.08.2013
1. optional
Wirklich beispielhaft und ein tolles Ansinnen, wenn es denn auch korrekt umgesetzt wird. Verstehe nur nicht, wieso die Regierung dann Finning unterstuetzt bzw. daran beteiligt ist. Widerspricht sich irgendwie...
lampropeltis 08.08.2013
2.
In Costa Rica gibt es nicht nur 2 Zoos, es gibt z.B. auch noch einen auf Schlangen spezialisierten zoologischen Garten der weltweit Ansehen genießt.
lampropeltis 08.08.2013
3.
Und beispielhaft ist das Ansinnen sicherlich nicht.
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