Zugunglück in der Türkei Helfer vermuten weitere Tote in den Trümmern

Acht Tote und 88 Verletzte - das ist die schreckliche Bilanz eines neuerlichen Bahnunglücks in der Türkei. Zwei Personenzüge waren frontal zusammengestoßen. Die Rettungskräfte befürchten, dass sich in den ineinander verkeilten Zügen noch weitere Todesopfer befinden.




Bergungsarbeiten nach dem Unglück: Weitere Opfer in den verkeilten Waggons vermutet
AP

Bergungsarbeiten nach dem Unglück: Weitere Opfer in den verkeilten Waggons vermutet

Istanbul - Die Bergungsarbeiten sind noch immer in vollem Gange. Auch während der Nacht gönnten die Helfer sich keine Pause und versuchten im Licht von Scheinwerfern, zu den eingeklemmten Menschen vorzudringen. Die völlig ineinander verkeilten Lokomotiven mussten mit Hilfe von Kränen auseinander gezogen werden, berichteten türkische Medien.

Der Unfall ereignete sich gestern Nachmittag nahe der Stadt Tavsancil im Nordwesten des Landes. Ein Zug kam von Istanbul und war auf dem Weg nach Adapazari, der andere war von Ankara nach Istanbul unterwegs, wie Behörden mitteilten

Nach Angaben des türkischen Verkehrsministers Binali Yildirim hatte einer der beiden Zugführer ein Haltesignal missachtet. Der verletzt ins Krankenhaus gebrachte Zugführer sagte dagegen, das grüne Licht sei in dem Moment auf Rot umgesprungen, als der Zug gerade das Signal passierte. Er habe den Zug deswegen nicht mehr rechtzeitig anhalten können. In diesem Zug befanden sich 153 Passagiere und neun Bahnbedienstete.

Der aus Istanbul entgegenkommende Zug war unterwegs in die westtürkische Stadt Adapazari. Durch den Aufprall wurde der erste Wagen aus den Schienen geschleudert und stürzte wenige Meter vor dem Ufer des Marmara-Meeres um, an dem die Bahnstrecke vorbeiführt. Wie viele Fahrgäste in diesem Zug saßen, konnte nicht geklärt werden. Die Behörden gehen aber davon aus, dass insgesamt weit mehr als 200 Fahrgäste von dem Unglück betroffen waren.

Es war das zweite schwere Zugunglück in der Türkei innerhalb von nur drei Wochen. Am 22. Juli war ein Schnellzug auf der Strecke Istanbul-Ankara entgleist. Dabei waren 38 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Das Unglück hatte eine heftige Diskussion über die Schienensicherheit in der Türkei ausgelöst. Der nach dem Unfall unter Druck geratene Verkehrsminister Yildirim sagte auch nach dem neuen Unglück, er denke nicht an einen Rücktritt.



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