Zugunglück in Südtirol Erdrutsch drückt Waggon von den Schienen

Schweres Zugunglück in Südtirol: Ein Erdrutsch hat einen Waggon einer Regionalbahn zwischen Mals und Meran aus dem Gleis gedrückt. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben, italienische Medien berichten von bis zu 70 Verletzten. Die Strecke galt als eine der modernsten des Landes.

DPA

Bozen - Am Ort des Unglücks im Meraner Land qualmt Rauch aus den Trümmern, Hubschrauber kreisen über der Unfallstelle. Zahlreiche Krankenwagen und Rettungsfahrzeuge sowie Mitglieder des Zivilschutzes sind vor Ort, um Verletzte und Tote zu bergen. Der Regionalzug wurde im Meraner Land von einem Erdrutsch regelrecht aus den Schienen geworfen.

Italienische Medien berichten, dass herabstürzenden Schlamm- und Gesteinsmassen den Regionalzug R 108 auf dem Weg von Mals nach Meran auf der Strecke zwischen Kastelbell und Latsch in einer engen Schlucht erfasst hatten. Der Nachrichtenagentur ANSA zufolge rutschte der Zug daraufhin aus der eingleisigen Bahnlinie und stürzte die Böschung hinunter.

"Ein Wagen wurde bei dem Sturz direkt getroffen", sagte der Bozener Rettungshelfer Florian Schrofenneger dem italienischen Fernsehsender Sky TG24. Lediglich zwei Nadelbäume verhinderten den Absturz des Waggons in einen Fluss. Die Feuerwehr sicherte den Waggon mit einem Flaschenzug.

Zunächst war von sieben Toten die Rede gewesen. Ein Vertreter der Bahngesellschaft sagte nun der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, die Zahl der Opfer sei auf elf gestiegen. Der Südtiroler Zeitung "L'Adige" zufolge sollen mindestens 30 Menschen verletzt sein, fünf von ihnen schwer. Die Zeitung "La Stampa" berichtete von 70 Verletzten. Sie seien in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, hieß es. Ob auch deutsche Touristen in dem Regionalzug fuhren, war zunächst unklar.

"Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz"

"Wir befürchten, dass sich die Zahl der Opfer noch erhöhen könnte", erklärte der Südtiroler Landesrat für Gesundheit und Sozialwesen, Richard Theiner, der Zeitung "Corriere della sera". Die Bergung der Verletzten gestaltete sich laut Feuerwehr Bozen schwierig, da die Unfallstelle nur schwer zu erreichen sei. Die Rettungskräfte gelangten nur zu Fuß zum Einsatzort. An Ort und Stelle wurde unterdessen ein Lazarett für die Versorgung der Verletzten eingerichtet.

"Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz", sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai. Zivilschutz und Feuerwehren leisteten Erste Hilfe. Nach seinen Informationen könnte eine Beregnungsleitung eines Obstanbaugebiets oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben. Das habe möglicherweise eine Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen.

Der Zug war um 8.20 Uhr aus Mals in Richtung Meran abgefahren, wo er um 9.43 hätte eintreffen sollen. Die Strecke wird laut "Corriere della sera" vor allem von Studenten und Pendlern genutzt.

Der Regionalzug R 108 gehört zum Nahverkehrsunternehmen SAD, das von der autonomen Provinz Bozen geführt wird. Die Eisenbahnstrecke, auf der sich das Unglück ereignete, war 2005 eröffnet worden und galt nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA als eine der modernsten des Landes.

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder ist auf dem Weg zum Unfallort.

jjc/ala/Reuters/dpa



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