Spanische Zugkatastrophe Zeitung veröffentlicht ersten Anruf des Unglücks-Lokführers

Unmittelbar nach dem Zugunglück bei Santiago de Compostela meldete der Lokführer den Unfall per Telefon an einen Kollegen in Madrid. Die Zeitung "El Pais" veröffentlichte jetzt einen Mitschnitt des Gesprächs: Hörbar angeschlagen berichtet der Mann, er sei zu schnell gefahren.

Lokführer G. nach dem Unglück (mit Polizist): "Ich hoffe, es ist niemand gestorben"
REUTERS

Lokführer G. nach dem Unglück (mit Polizist): "Ich hoffe, es ist niemand gestorben"


Madrid/Santiago de Compostela - Die spanische Zeitung "El Pais" hat einen Mitschnitt eines Telefonats veröffentlicht, das der Fahrer des bei Santiago de Compostela entgleisten Zuges unmittelbar nach dem Unglück führte. In der Aufnahme ist zu hören, wie Francisco G. einem Kollegen von dem Unfall berichtet. Laut BBC handelt es sich um den vieldiskutierten Anruf, mit dem der Lokführer das Notfallprotokoll der Bahngesellschaft aktivierte.

"Es gibt sicher viele Verletzte, der Zug ist umgekippt, ich kann nicht aus der Kabine raus", berichtet er atemlos seinem Gesprächspartner, der zum Zeitpunkt des Telefonats laut BBC im Hauptbahnhof von Madrid saß. Wiederholt spricht G. von den "armen Passagieren", schließlich fügt er hinzu: "Ich hoffe, es ist niemand gestorben."

Weiter gibt er zu, er sei vor dem Unglück zu schnell gefahren. "Ich war abgelenkt; ich hätte 80 fahren sollen, aber ich war mit 190 unterwegs", sagt G.. Er habe den "Sicherheitsleuten" vorher schon gesagt, "dass diese Kurve gefährlich ist; dass eines Tages so etwas wie das hier passieren wird".

Das jetzt veröffentlichte Tondokument ist nicht der erste Mitschnitt, der im Zusammenhang mit dem Zugunglück an die Öffentlichkeit gerät. Bereits zuvor hatte eine spanische Zeitung das Video einer Aussage des Lokführers vor Gericht veröffentlicht. Darin gibt G. zu, er sei in der Kurve zu schnell gefahren. Der TV-Sender LaSexta enthüllte zudem den Inhalt eines Telefonats, das G. unmittelbar vor dem Unglück geführt haben soll.

Am 24. Juli waren 79 Fahrgäste ums Leben gekommen, als der Schnellzug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe in einer Kurve wenige Kilometer vor Santiago de Compostela entgleiste. Es handelte sich um eines der schwersten Zugunglücke der spanischen Geschichte. Gegen den Lokführer wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Offenbar keine Ermittlungen gegen Renfe

Gegen Renfe wird es hingegen offenbar keine Ermittlungen geben. Ein Untersuchungsrichter habe einen entsprechenden Antrag abgewiesen, berichtet die Zeitung "La Voz de Galicia". Die Bahngesellschaft habe alle Vorschriften erfüllt, heißt es in einem richterlichen Beschluss, den die Zeitung auf ihrer Website veröffentlichte. Den Antrag hatte der Anwalt eines Opfers gestellt.

In seinem Beschluss bekräftigte der Richter die Gründe für die Ermittlungen gegen Verantwortliche der staatlichen Gesellschaft für die Verwaltung des Eisenbahnnetzes (Adif). Adif sei seiner Verantwortung für eine "ständige Kontrolle und Überprüfung jener Elemente, die einen korrekten und sicheren Verkehr garantieren", nicht nachgekommen, heißt es.

rls/dpa



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