Zyklon "Yasi" Australien fürchtet Rekord-Sturm

Die Sturmfront ist über 500 Kilometer breit, die Regierung kommt mit den Evakuierungen nicht hinterher: Zyklon "Yasi" steuert auf Australien zu - am Vormittag soll er die Ostküste erreichen. Die Wetterbehörde stufte ihn als Sturm der höchsten Kategorie fünf ein. Zehntausende sind auf der Flucht.


Sydney - Der australische Bundesstaat Queensland erholt sich gerade von der schwersten Flut des Jahrhunderts, nun droht eine neue Naturkatastrophe verheerenden Ausmaßes: Zyklon "Yasi" steuert auf Australien zu, die Wetterbehörde stufte ihn am Mittwoch als Sturm der höchsten Kategorie fünf ein und warnte vor den "lebensbedrohlichen Folgen" des Unwetters. Den jüngsten Vorhersagen zufolge werde "Yasi" am Mittwochabend um 22 Uhr Ortszeit (13 Uhr MEZ) an der dichtbesiedelten Ostküste auf Land treffen.

Am späten Vormittag werde es schon losgehen, sagte Katastrophenkoordinator Ian Stewart australischen Zeitungen zufolge. Manche Dächer würden wegfliegen. Die Menschen sollten sich in ihren Häusern in Sicherheit bringen. Von Notdiensten sollten sie während des Zyklons keine Hilfe erhoffen.

Die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh, sagte, ein derart starker Zyklon habe Queensland zuletzt 1918 heimgesucht. "Die nächsten 24 Stunden werden, offen gesagt, 24 sehr furchteinflößende Stunden werden", sagte Bligh. Sie rief die Küstenbewohner dringend auf, sich vor dem "katastrophalen Sturm" in Sicherheit zu bringen.

"Es ist ein so ein gewaltiger Sturm, es ist ein Monster, ein Killer-Sturm", sagte sie. "Seine Auswirkungen sind wahrscheinlich lebensbedrohlicher als alles andere in den letzten Generationen Dagewesene."

Nach Einschätzung der Meteorologen dürfte "Yasi" mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 280 Stundenkilometern und begleitet von heftigem Regen sowie einer bis zu vier Meter hohen Flutwelle zwischen dem Urlauberort Cairns und Cardwell auf die Küste treffen. Die Region wurde 2006 vom Zyklon "Larry" verwüstet.

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Zyklon "Yasi": Zehntausende Menschen auf der Flucht
Küstenbewohner sollten ihre Wohnungen verlassen, hieß es seitens der Behörden. Es wurden "tsunamiähnliche" riesige Wellen und Hochwasser erwartet. Bewohner landeinwärts sollten sich "einbunkern". Bligh sagte den Betroffenen nach einer Krisensitzung am Mittwoch, es gebe weiter die Gelegenheit, Küstengebiete und tieferliegende Gegenden zu verlassen. Die Chance sei jedoch "in etwa drei Stunden vorbei", warnte sie.

Sie erwarte, dass für etwa 200.000 Menschen der Strom ausfallen wird. Auch Telefonverbindungen würden unterbrochen werden. Mehr als 340 Schulen seien vorsorglich bis mindestens Ende der Woche geschlossen.

Flughafen geschlossen

Die Sturmfront ist über 500 Kilometer breit. Für Queensland, das bereits seit Wochen mit Hochwasser zu kämpfen hat, wurde starker Regen vorhergesagt. Mehr als 9000 Einwohner in der Küstenregion von Cairns wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen. Der Leiter des Katastrophenschutzes, Ian Stewart, erklärte, die Menschen in der betroffenen Region sollten so schnell und weit wie möglich nach Süden fahren.

Mit Militärflugzeugen wurden Kranke und ältere Menschen in sichere Gebiete im Süden gebracht. Fluggesellschaften organisierten Sonderflüge für Dienstagabend, da der Flughafen am Mittwochmorgen bis auf weiteres geschlossen wurde. Touristen verließen die Hotelanlagen entlang der Küste und brachen ihren Urlaub ab.

Laut Bligh suchten etwa 9500 Anwohner in einem Evakuierungszentrum Zuflucht. Bligh sagte, 250 Patienten aus Cairns sollten per Hubschrauber nach Brisbane gebracht werden. Auch Altenheime wurden geräumt. Die Einwohner, die bleiben wollten, deckten sich mit Generatoren, Campingausrüstung und Notrationen ein und fegten die Regale der Geschäfte leer. Tausende Einheimische und Touristen, die von Cairns und Townsville aus das Great Barrier Reef erkunden wollten, brachten sich in Sicherheit. Vor den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

400.000 Menschen betroffen

Queensland kämpft immer noch mit den Folgen der Überschwemmungen von Anfang des Jahres. Eine Fläche so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen stand dort zeitweise unter Wasser. 30.000 Häuser wurden beschädigt, das Schienennetz teilweise zerstört und zahlreiche Bergwerke überflutet, 35 Menschen kamen ums Leben. Die Schäden liegen in Milliardenhöhe.

Anfang der Woche war Zyklon "Anthony" auf Queensland getroffen, hatte über Land aber rasch an Kraft verloren. "Yasi" soll weiter nördlich vorbeiziehen und die Stadt Brisbane verschonen, die von den jüngsten Überschwemmungen besonders betroffen war.

Mehr als 400.000 Menschen wohnen in der betroffenen Gegend, zu der auch Touristenzentren und das Great Barrier Reef gehören. Meteorologen warnen, dass "Yasi" seine Kraft lange nach Erreichen der Küste beibehalten und noch Hunderte Kilometer landeinwärts Zerstörung anrichten könnte.

Den Berechnungen zufolge stellt "Yasi" selbst "Tracy" in den Schatten, den bislang schlimmsten Zyklon in Australien. "Tracy" hatte Weihnachten 1974 die Stadt Darwin verwüstet und 71 Menschen in den Tod gerissen. "Yasi" hat eine Zerstörungskraft wie Hurrikan "Katrina", der 2005 die US-Südküste und New Orleans verwüstete.

amz/AFP/dpa/AP

insgesamt 31 Beiträge
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nurmeinsenf 02.02.2011
1. Wenigstens ist das Dschungelcamp schon rum...
...nicht daß es selbst Dirk Bach wegpustet.
steuerzahlerin 02.02.2011
2.
was soll man da diskutieren? ich glaube kaum, dass sich der Zyklon auf diskussionen einlässt. Naturgewalten sind kompromisslos. Man kann den Leuten dort nur die Daumen drücken, dass sie es einigermaßén schadlos überstehen.
c.PAF 02.02.2011
3. Auf Thema antworten
Naja, was soll man jetzt diskutieren? Daß Zyklone verboten werden müßten? Daß die Klimaerwärmung schuld ist? Andererseits gab es einen vergleichbaren Sturm zuletzt 1918. War da auch schon die Klimaerwärmung? Egal, ich wünsche den Betroffenen dort unten jedenfalls viel Glück!
Layer_8 02.02.2011
4. omg
Zitat von sysopDie Sturmfront ist über 500 Kilometer breit, die Regierung kommt mit den Massen-Evakuierungen nicht hinterher:*Zyklon "Yasi" rast auf Australien zu - am Vormittag soll er er die Ostküste erreichen.*Die Wetterbehörde stufte ihn als Sturm der höchsten Kategorie fünf ein - Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,743045,00.html
http://www.weatherzone.com.au/satellite.jsp?lt=wzstate&lc=qld erst Brisbane, jetzt Cairns. Tja der Australische Sommer kann auch seine "Tücken" haben. Bin dort auch schon zweimal fast abgesoffen, einmal in Byron Bay und ein andermal in Yulara (!)... Ich wünsche den Menschen dort jetzt das Beste...
Wilhelm Klaus 02.02.2011
5. Good luck aussie´s
Good luck aussie´s!
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