Sextoys: Sowieso schon gefragte Weihnachtsgeschenke – im Pandemiejahr besonders
Sextoys: Sowieso schon gefragte Weihnachtsgeschenke – im Pandemiejahr besonders
Foto: Julia Mikhaylova / Stockphoto / Getty Images

Erotikartikel in der Weihnachtszeit Kommet zum Fest

Der Handel frohlockt, die Kundschaft jauchzt: Der Umsatz des Erotik-Fachhandels steigt in der Coronakrise – und in der Vorweihnachtszeit noch mal mehr. Welche Produkte sind besonders beliebt?
Von Heike Kleen

Adventskalender sind kein Kinderkram mehr: Inzwischen gibt es sie nicht nur für Bierliebhaber, für DDR-Nostalgiker oder das Haustier – sondern auch für das Sexleben. Erotik-Adventskalender verkaufen sich im Corona-Jahr 2020 noch besser als in den Vorjahren, sagen die Fachhändler.

Kein Wunder, bereits im ersten Shutdown zeigte ein Blick auf das Google-Suchverhalten, dass der Mensch nicht nur aufräumt, sobald er mehr Zeit zu Hause verbringt – sondern auch gern Pornos guckt oder zu Sextoys greift. Immerhin neun Prozent haben in der Zeit sexuell etwas Neues ausprobiert , ergab eine Studie unter rund 5000 Befragten.

Die entsprechenden Adventskalender kosten zwischen 89,90 und 219,90 Euro. Und obwohl sie von außen unverfänglich aussehen, sollte man sie vielleicht nicht neben die Spielzeugvariante der Kinder stellen. Es sei denn, man möchte den lieben Kleinen morgens um 7 Uhr erklären, warum Mama heute eine Peitsche bekommen hat und Papa am nächsten Tag einen Analdildo. Auch das Netzkleid oder die Liebeskugeln könnten komplizierte Fragen aufwerfen, während immerhin die Sextoys zum Teil tatsächlich nach Spielzeug aussehen.

Druckwellen gegen Corona

Die sind schon seit Beginn der Krise sehr gefragt: Frauen interessieren sich vor allem für den Auflegevibrator »Womanizer«, er arbeitet mit Druckwellen und verspricht seinen Nutzerinnen eine Orgasmusgarantie.

Das Unternehmen berichtet: »Allein in Deutschland verzeichneten wir in der Zeit des ersten Lockdowns im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 einen Umsatzanstieg von 362 Prozent für den Womanizer Premium.«

Spitzenreiterinnen der ersten Novemberwoche sind Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern: Hier steigerte der »Womanizer« seinen Umsatz um 175 Prozent. Der Anbieter Eis vermeldet aktuell 300 Prozent Wachstum bei dem günstigeren Toy »Satisfyer«, das ebenfalls mit Druckwellen die Klitoris stimuliert.

Neun Gänge für das beste Stück

Und was geht bei den Männern? Sie legen sich besonders gern Masturbatoren mit so klangvollen Namen wie »Suck-O-Mat« oder »Ultimate Milker« zu. Das Prinzip ist einfach, man steckt sein empfindlichstes Körperteil in ein strombetriebenes Gehäuse, das einen Blowjob simuliert.

Ein besonders teures Modell mit neun Gängen und einer LED-Tacho-Anzeige (kein Scherz!) ist bei einigen Händlern vergriffen. Schwer zu sagen, ob es eher an der sogenannten »Hands Free Masturbation Technology« oder am Kfz-Adapter für unterwegs liegt.

Es geht aber auch schlichter. So meldet der Orion-Versand, dass zurzeit neben den bereits erwähnten Modellen ein eher untypisches Sextoy außergewöhnlich oft geordert wird: ein Massagestab mit beweglichem Massagekopf.

Er dient zwar in erster Linie zur Stimulation der weiblichen Lustpunkte, kann aber auch gegen Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich eingesetzt werden. Vielleicht ist er deshalb aktuell ein willkommenes Produkt.

Mit der Fernbedienung zum Höhepunkt

Einige Paare haben seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Sex als sonst und sind experimentierfreudiger, heißt es. Ist ja auch nicht mehr gerade viel, was man abends unternehmen kann. Dazu passt, dass auch Paarvibratoren zu den neuen Bestsellern der Onlineshops gehören.

Besonders gut im Geschäft sind Paarvibratoren der Marke We-Vibe. Dabei trägt die Frau ein relativ kleines, gebogenes Toy, das auf der Klitoris vibriert und zudem von innen den G-Punkt stimulieren soll. Kommt noch ein Penis hinzu, profitiert auch der von den Vibrationen. Und wer als Erster eine Hand für die Fernbedienung freihat, kann die Stärke der Schwingung steuern. Das Toy funktioniert sogar auf räumlicher Distanz mithilfe einer App. Der Onlinesexshop Amorelie weist hier auf den Vibrator Lush 2.0 hin.

Wenn das Sextoy mit dem Handy…

Generell nutzen seit März deutlich mehr Menschen Sextoys via App. So kann der eine Partner mit seinem Handy zum Beispiel den Vibrationsrhythmus steuern und sogar eine passende Musik auswählen. Das klappt nicht nur vom Küchentisch ins Schlafzimmer, sondern auch über Kontinente hinweg. Damit das ganze kein Blindflug wird, integrieren einige Anbieter einen Videochat – und endgültig vorbei sind die Zeiten von Telefonsex im Schlabberpulli.

Wobei es eh danach aussieht, als würden wir unsere Corona-Wohlfühlklamotten unter dem Weihnachtsbaum kurz ablegen: Aktuell führt auch erotische Wäsche die Bestsellerlisten an. Alle, die Dessous als Weihnachtsgeschenk zu vorhersehbar finden und Karneval schon jetzt vermissen, könnten sich bei den Erotikshops unter dem Schlagwort »Kostüme« umsehen.

Der Bestseller des Pandemiejahres? Die naheliegende Antwort des Onlineshops Eis: »Der Abverkauf unserer Krankenschwester-Sets stieg um das 30-fache (3000 Prozent), weshalb diese Sets auch für sechs Wochen ausverkauft waren.«

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