Markus Deggerich

Urteil gegen Altbundeskanzler Liefert Schröder aus!

Markus Deggerich
Ein Tipp unter Männern von Markus Deggerich
Ein Tipp unter Männern von Markus Deggerich
Gerhard Schröder soll den Ex-Mann seiner aktuellen Gattin entschädigen. Das seltsame Urteil der südkoreanischen Justiz bietet ganz ungewohnte Chancen.
Altbundeskanzler Gerhard Schröder

Altbundeskanzler Gerhard Schröder

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Der Rechtsprechung ist Ironie fremd. Das muss sie auch sein, genauso wie Emotionen, andernfalls gefährdet sie ihre Unabhängigkeit. Andererseits sind Urteile aber auch schon immer Spiegel einer Gesellschaft gewesen, Ausdruck ihres Wertebewusstseins, ihrer Konflikte, Widersprüche, sogar ihrer Fortschritte. Und manchmal schreiben Urteile Geschichte, na ja, zumindest Geschichtchen.

Gerhard Schröder, einst Bundeskanzler, vermutlich für die SPD – ganz sicher war man sich da nie –, selbst gelernter Jurist, war in seinen politischen und privaten Urteilen nie ironiefrei oder emotionslos. Die Herabwürdigung anderer mittels verbalem Handkantenschlag gehörte zu seinen Spezialitäten: Koalitionspartner wie die Grünen waren seine Kellner, Lehrer »faule Säcke«, Familien- und Frauenpolitik »Gedöns«. Und das sind noch die harmloseren, weil öffentlichen Beispiele.

Wer mal mit ihm auf Reisen war – ich durfte ihn einst nach Fernost und zum russischen Busenfreund Putin begleiten –, lernte abends in der Bar schnell: Genussmensch und Macho Schröder neigte zum Herrenwitz und Hof halten – und wer da nicht mitlachte, hatte bei ihm nichts zu lachen.

Dass nun ausgerechnet jener Testosteron-Typus von einer noch überholteren Weltanschauung als der eigenen belangt wird, entbehrt tatsächlich nicht einer gewissen Ironie. Er soll dem Ex-Mann seiner Ehefrau Soyeon Kim eine Entschädigung zahlen, weil der sich nur unter der Voraussetzung von ihr hatte scheiden lassen, dass sie ihre Affäre mit Schröder beende. Wie man weiß, hat er (oder sie?) sich nicht daran gehalten.

Schröder ist ein Opfer! Und zwar das Opfer, dieser Satz schien für immer unschreibbar, einer Frau, seiner Frau, seiner Fünften.

Fast möchte man sich zu Schröders Verteidigung aufschwingen, aber die Konstellation ist zu schön und zu symbolisch: Die in diesem Fall mittelalterlich anmutende südkoreanische Rechtsprechung belangt einen wie Schröder in Fragen von (Rechts-)Treue, Verlässlichkeit – und Vermögen. Kann man sich nicht ausdenken.

Ich möchte unbedingt den Eindruck von Schadenfreude vermeiden, zumal vermutlich auch kein Schaden entsteht; die in Rede stehende Summe von 22.000 Euro ließe sich wahrscheinlich über sein Spesenkonto abrechnen; man(n) wüsste aber dennoch zu gern, was Schröders Ex-Frauen Nummer drei und vier darüber denken, jene Doris, die ihn einst als »Sechser im Lotto« hochjubelte, und noch viel mehr ihre Vorgängerin, die scharfzüngige Hillu.

Sehr viel schöner ist die Vorstellung, wir lieferten ihn aus! Oder er flöge freiwillig zu seiner Verteidigung rüber, um denen mal, wie er es wohl nennen würde, Bescheid zu stoßen. Gemäß seiner Vorstellung von seiner eigenen Größe würde er sich selbst verteidigen und unsterbliche Sätze für die Jurageschichte sprechen: »Ich wasche meine Hände in Unschuld«. Zu ihm passender noch: »Hier stehe ich und kann nicht anders.«

Schröder ist, wann sonst wollte man diesen Satz schreiben, ein Opfer! Und zwar das Opfer, dieser Satz schien für immer unschreibbar, einer Frau, seiner Frau, seiner Fünften. Denn die Tat, die ihm zur Last gelegt wird, hat ja nicht er, sondern sie begangen. Er war in ihrer Hand, quasi nur das willenlose Tatwerkzeug, zweckentfremdet. Sein Pech: Im – von ihm eingeführten – Hartz IV-Sinne bildet er eine Schuld-Bedarfsgemeinschaft mit seiner Gattin – und soll nun bezahlen.

Schröder müsste dann, im Alter von 77 Jahren, endlich zum Zwecke der Selbstverteidigung und erstmals in seinem Leben feministische Positionen vertreten und mit flammenden Reden das Urteil als das entlarven, was es ist: die Behandlung einer Frau als Ware, als Wertanlange oder Statussymbol, die, wenn sie einem verlustig geht, entschädigt gehört.

Dann wäre er, ganz ironiefrei, schließlich doch noch das, was er immer sein wollte: ein großer Kanzler? Nein. Aber ein echter Kerl.