SPIEGEL: Als Wiener "Tatort"-Kommissarin prägen Sie das Wien-Bild vieler Deutscher. Sind Sie überzeugte Wienerin?

Neuhauser: Oh ja! Ich mag die entschleunigte Art, die diese Stadt prägt. Wien hat schon ein bisschen was von Süden, von Balkan. Diese Mischung der vielen Nationalitäten, das ist sehr angenehm. Außerdem sind die Freizeitmöglichkeiten gigantisch, es gibt so viele Dinge, die man tun kann. Das, was über die hohe Lebensqualität von Wien gesagt wird, unterschreibe ich.

SPIEGEL: Sie hatten einen griechischen Vater und schreiben in Ihrem Buch, Sie fühlten sich in zwei Ländern zu Hause.

Neuhauser: Mein Großvater war Österreicher und ist gleich nach dem Studium als junger Ingenieur nach Griechenland gegangen. Dort hat er seine zukünftige Frau kennengelernt. Mein Vater, geboren in Piräus, aufgewachsen auf Syros, ist also ein Grieche gewesen, auch wenn er lange Zeit in Österreich gelebt hat. Meine Mutter war Österreicherin. Dass er nicht aus Österreich kam, merkte man an seinen Artikelfehlern. Seine Aussprache war ganz gut. Aber er hat seine Sprachfehler auch kultiviert, um ein bisschen das Fremde hochzuhalten. Ich kann das ganz gut nachvollziehen.

SPIEGEL: Und Sie empfinden sich als Österreicherin und Griechin?

Neuhauser: Ich bin in Athen zur Welt gekommen und war erst vier Jahre alt, als wir aus Griechenland weggegangen sind. Das ist sehr früh. Aber ich empfinde das nach wie vor als einen Teil von mir, natürlich.

SPIEGEL: Sprechen Sie Griechisch?

Neuhauser: Kaum. Und ich traue mich heute zu sagen, dass das zum Teil die Schuld meines Vaters ist, weil er die Sprache hier nicht mehr mit mir praktiziert hat. Und ich bin in Griechenland nie zur Schule gegangen. Ich habe das Griechische leider verloren, das bedauere ich heute sehr. Als ich in Griechenland war, um die Asche meines Vaters auszustreuen, hatte ich Angst, denn bis dahin hatte er immer das Sprechen in Griechenland übernommen. Dann merkte ich: Mein Griechisch ist zwar fehlerhaft, aber es geht. Es ist, vom Deutschen aus betrachtet, eine sehr fremde Sprache.

SPIEGEL: Ist Ihnen Deutschland eigentlich fremd?

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