Andreas Kalbitz spult sein aktuelles Programm ab. Er spricht von "Kopftuchgeschwadern mit Mehrfachkinderwagen", von "sogenannten Flüchtlingen" und "Gendergaga". Es ist der Donnerstag vor drei Wochen, der Spitzenkandidat der brandenburgischen AfD steht im Sport- und Freizeitzentrum Mixdorf. "Stammtisch" heißt die Veranstaltung: knapp 50 Zuhörer, die meisten männlich, eher alt, ihre Fragen harmlos. Ein Heimspiel für Kalbitz.

Dann noch eine Warnung an die Zuhörer: "Ich verspreche Ihnen eins, die nächsten vier Wochen werden schmutzig." Die Medien würden vor der Wahl Kampagnen gegen die AfD fahren, behauptet Kalbitz, die "Nazikeule" schwingen. "Wenn sie nichts finden, erfinden sie was."

Nach der Veranstaltung steht Kalbitz auf der Terrasse. Ein Mann gesellt sich zu ihm, schüttelt seine freie Hand, in der anderen hält Kalbitz eine Weinschorle: "Halt den Kopf hoch!", sagt der Mann. Es sei wirklich schlimm, dass die Medien in Kalbitz' Vergangenheit wühlten. Aber die Wähler glaubten das eh nicht.

Kalbitz nickt und steckt sich eine Zigarette an. Das sei ja alles "alter Kram", sagt er. "Ich kann darüber nur lachen." Er lacht nicht. "Ich stehe zu meiner Vergangenheit, das ist Teil meiner Biografie. Ich kann mich ja nicht von mir selbst distanzieren." Es ist ein Satz, den Kalbitz schon häufiger sagen musste.

Andreas Kalbitz, 46, ehemaliger Fallschirmjäger, ist seit wenigen Wochen nach der Gründung bei der AfD, Mitgliedsnummer 573.

Offiziell ist er Landesvorsitzender und Fraktionschef in Brandenburg, wo seine AfD bei den Landtagswahlen kommende Woche stärkste Kraft werden könnte.

Inoffiziell ist er neben Parteichef Alexander Gauland der mächtigste Politiker der AfD. Er ist es, der im völkischen "Flügel" den Ton angibt, jener parteiinternen Plattform, die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall geführt wird. Björn Höcke ist das deutschlandweit bekannte Aushängeschild, hinter ihm zieht Kalbitz die Strippen. Niemand in der Partei sei so gut vernetzt wie er, behaupten seine Kollegen.

Im Vergleich zu anderen AfD-Spitzenpolitikern ist Kalbitz kaum bekannt, doch sein Einfluss auf die Politik der AfD ist nicht zu unterschätzen. Was sagt das über eine Partei, die sich gern bürgerlich nennt, wenn einer wie er dort dominiert? Ein Mann mit einer rechtsextremen Biografie, mit rabiaten Methoden?

Kalbitz ist geschickt. Er weiß sich zu verkaufen, hat fast immer ein süffisantes Lächeln auf den Lippen, kann kritische Fragen gut umschiffen. Mit Journalisten redet er gern über seine Frau, die drei Kinder, zwei Hunde und drei Katzen. Fragt man ihn zu seiner Vergangenheit, ist er in wenigen Sätzen bei den Büchern, die er abends zur Entspannung lese, vor allem französische Belletristik. Oder Simon Sebag Montefiores "Der junge Stalin".

Dabei könnte man lange mit Kalbitz, der seit 16 Jahren in Brandenburg lebt, über seine Vergangenheit am rechten Rand sprechen. Es hat sich einiges angesammelt, seit er, aufgewachsen in München, bei der Pennalen Burschenschaft Saxonia-Czernowitz war, einer schlagenden Schülerverbindung, die sich im Haus der rechtsextremen Burschenschaft Danubia trifft.

Wahlkämpfer, Publikum vor AfD-Bühne
Marcel Maffei / Der Spiegel
Wahlkämpfer, Publikum vor AfD-Bühne

Ab 1993 war er mindestens ein Jahr lang Mitglied der rechtsextremen Republikaner, als sie bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wurden.

Im selben Jahr war er auch Mitglied im rechtsextremen Witikobund, schrieb Texte im "Witikobrief". Darin lobte er das ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachtete Freundschafts- und Hilfswerk Ost. Im Jahr darauf ging er als Soldat auf Zeit zur Bundeswehr, Feldwebellaufbahn.

Im Thule-Netz, über das Mitte der Neunziger Rechtsextreme kommunizierten, beschreibt jemand, wie er bei einem "Grillfest nach buendischer Art" den "jungen Kameraden" Kalbitz kennengelernt habe: ein "sportlicher, intelligenter, gebildeter und sehr engagierter" Mann, sicher kein "Weichei".

2003 schrieb Kalbitz für die Zeitschrift "Fritz" der rechtsextremen Jungen Landsmannschaft Ostpreußen zwei Texte.

Gemeinsam mit seinem Schwiegervater arbeitete Kalbitz an zwei Drehbüchern, die Filme wurden 2004 und 2008 veröffentlicht. Einer über Adolf Hitler, bei dem ein Historiker den Eindruck einer "geschickten Hitler-Verherrlichung" gewann. Der andere über die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, in dem Kalbitz und sein Schwiegervater verschweigen, welche schweren Kriegsverbrechen die Soldaten begingen.

Von 2009 bis 2013 verlegte Kalbitz Hörbücher, darunter Ernst Jünger.

Auf einer Interessentenliste der NPD, die 2007 angelegt wurde, finden sich Kalbitz' Name und Münchner Anschrift.

Ende 2014 übernahm er den Vorsitz des Vereins für Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e. V., in dem er schon mindestens sechs Jahre lang Mitglied gewesen war. Der Verein gilt als revisionistisch, wurde von einem ehemaligen SS-Hauptsturmführer gegründet, NPD-Mitglieder saßen im Vorstand.

All das ist bekannt, weil Medien es aufdeckten. Kalbitz gab im Grunde nur zu, was nicht mehr versteckt werden konnte. Seine Verteidigung, immer wieder: Er sei nicht lange bei den jeweiligen Organisationen aktiv gewesen, habe sich nur mal umschauen wollen. Doch in der Summe ist es ein Lebensabschnitt von mehr als 25 Jahren im rechtsextremen Milieu.

AfD-Sympathisant
Marcel Maffei / Der Spiegel
AfD-Sympathisant

Kalbitz verteidigte auch, dass er 2007 bei einem Zeltlager der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) war. Die Organisation, nach Hitlerjugend-Vorbild aufgebaut, wurde 2009 vom Bundesinnenministerium verboten. "Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem", sagte Kalbitz.

Als Gast, einfach so? Bei einem geheimen Lager einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation, das an einem abgelegenen Ort stattfand? Als erwachsener Besucher in einem Jugendcamp? Und "kein Problem", obwohl die HDJ auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht?

Bevor solche Fragen zu drängend wurden, sich innerparteilicher Widerstand aufbauen konnte, geschah etwas, das Kalbitz sehr gelegen kam: Plötzlich wurde über einen weiteren Mann mit HDJ-Vergangenheit in der AfD berichtet. Einen Funktionär, der im Telefonverzeichnis des Bundestags als Mitarbeiter von Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland geführt wurde.

Gauland sagte damals, er habe von dessen Vergangenheit nichts gewusst. Vermittelt wurde ihm Felix W., dessen Bruder "Bundesführer" der HDJ war, von Kalbitz, der W. zuvor in die Fraktion nach Brandenburg geholt hatte. Parteikollegen sind überzeugt, dass Kalbitz die Info über die HDJ-Vergangenheit von W. durchsickern ließ, um von sich abzulenken. War der Parteifreund ein Bauernopfer? "Nein, ich teile prinzipiell keine internen Informationen mit Journalisten", sagt Kalbitz.

Eine E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, legt nahe, dass Kalbitz' Verbindung zur HDJ nicht so lose war, wie er behauptet.

Am 12. Mai 2009, sechs Wochen nachdem die Heimattreue Deutsche Jugend verboten worden war, bekam Kalbitz eine Mail von Sebastian Räbiger, dem letzten "Bundesführer" der HDJ. Neben Kalbitz erhielten nur sechs weitere Personen die Mail, darunter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremen Gemeinschaft Deutscher Frauen und ein NPD-Mann. Außerdem ging die Mail an eine Adresse, die offenbar mit der "Deutschen Stimme" zu tun hat, der Zeitschrift der NPD.

Räbiger schrieb: "moin, für die, die es interessiert. mittwoch 19-21 Uhr www.netzradio-germania.de noch ein paar dinge zur hdj und zum drum herum." Er hoffe, dass "nichts wichtiges geschnitten wurde", schreibt er, "gruß s". Der Radiobeitrag ist bis heute online. Räbiger erzählt darin, dass alle Mitglieder "aus dem nationalen Lager" stammten, man nicht an Schulen oder sonst wo geworben habe. Wer dort war, kannte sich. Aber Kalbitz will einfach mal "als Gast" dort gewesen sein?

Kalbitz sagt dazu nur: "Mir ist eine entsprechende Mail von vor zehn Jahren nicht bekannt."

Eine weitere E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, lässt erahnen, wie tief Kalbitz im rechtsextremen Lager verankert war.

Am 10. August 2008 verschickte der Neonazi Horst Mahler eine Mail. Er hat die NPD als Anwalt im Verbotsverfahren vertreten und später die "Verkündung der Reichsbürgerbewegung" veröffentlicht. In der Mail berichtet er von seinem ersten Prozesstag. Mahler stand damals wegen Holocaust-Leugnung vor Gericht, wieder einmal. Bis heute sitzt er unter anderem deswegen in Haft.

"Ich stehe zu meiner Vergangenheit, das ist Teil meiner Biografie, ich kann mich ja nicht von mir selbst distanzieren."

Der Verteiler der Mail ist groß, 276 E-Mail-Adressen, viele von der NPD, andere mit rechtsextremen Wortspielen oder Kürzeln. Woher hatte Mahler die Mailadresse von Kalbitz?

"Von einer E-Mail von Herrn Mahler vor elf Jahren weiß ich nichts", sagt Kalbitz. "Ich habe keinerlei Kontakt mit Horst Mahler und distanziere mich schärfstens von den von ihm aufgestellten Thesen."

Dabei hat Kalbitz bis heute keine Berührungsängste mit der äußersten Rechten. Er pflegt ein enges Verhältnis zu Götz Kubitschek, dem Verleger und Netzwerker der Neuen Rechten, tritt immer wieder bei Veranstaltungen von dessen Institut auf. Er stellte Leute aus der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften "Identitären Bewegung" oder ihrem Umfeld ein, selbst einem Ex-NPD-Mitglied gab er einen Job. Bei dem sogenannten Trauermarsch in Chemnitz lief er gemeinsam mit erkennbaren Neonazis.

Doch während sich die Partei in den vergangenen Jahren immer wieder von Funktionären trennte, deren Verbindungen ins extrem rechte Spektrum öffentlich wurden, durfte Kalbitz bleiben. Nicht nur das, seine Macht wuchs. Er prägt die AfD und lässt damit den Rest ihrer bürgerlichen Fassade bröckeln.

Wie hat er das geschafft?

Um Kalbitz' parteiinternes Agieren einschätzen zu können, hat der SPIEGEL mit über einem Dutzend AfD-Politikern aus der ersten und zweiten Reihe gesprochen, mit Kritikern wie Anhängern, Vertrauten und ehemaligen Mitarbeitern, die mit ihm gebrochen haben. Sie alle hatten eins gemeinsam: den Wunsch, zumindest durch diesen Text nicht identifiziert werden zu können. Fast ein weiteres Dutzend wollte nicht reden, nicht über Kalbitz.

Das hat einen Grund. Für Kalbitz ist man entweder Freund oder Feind, für oder gegen ihn. Er herrscht mittels Loyalitäten, notfalls über Angst und Schrecken.

Einer, der über Jahre eng mit ihm gearbeitet hat, fasst es so zusammen: "Kalbitz hat die Fähigkeit, Informationen zu gewinnen, zu speichern, zu nutzen, und auch die Fähigkeit, gegnerische Truppenteile zu spalten." Er wende klassische Zersetzungsstrategien an, und das "sehr elaboriert".

Andere berichten, dass Kalbitz denen, die sich mal gegen ihn gestellt haben, und sei es nur in einer Sachfrage, den "Krieg" erklärt habe. Sie seien von ihm beschimpft und bedroht worden. Sie seien bei der nächsten Listenwahl weit hinten gelandet oder hätten ihre Jobs in Fraktion oder Partei verloren. Eine Zeit lang hätten Kalbitz' Mitarbeiter im Landtag sogar Strichlisten geführt, wer bei einem seiner wenigen Widersacher ins Büro ging.

Mit alledem konfrontiert, sagt Kalbitz: "Über die Platzierung bei den Listenwahlen entscheiden mehrere Hundert Mitglieder in geheimer demokratischer Abstimmung. Es handelt sich um einen reinen Diffamierungsversuch durch Ex-Kollegen."

Er prägt die Partei, lässt den Rest bürgerlicher Fassade bröckeln.

Kalbitz, da sind sich auch seine Anhänger einig, ist kein Sachpolitiker, Inhalte interessieren ihn kaum. Ihm geht es um Macht. Er führt autoritär, opportunistisch und clever. Spuren hinterlässt er kaum, am liebsten telefoniert er, ab und an schickt er eine SMS. In sozialen Netzwerken ist er selbst nicht aktiv, seine Mitarbeiter schicken ihm die wichtigsten Sachen.

Die Macht kommt über sein Netzwerk, das Kalbitz seit fünf Jahren in der Partei spannt und das weit über den "Flügel" hinausreicht. Seine Karriere in der AfD begann 2014, als er die Organisation des Landesverbands und der Fraktion in Brandenburg für Gauland regelte, der nie einen Nerv dafür hatte. So wurde aus Kalbitz Gaulands Kronprinz.

Das ist auch der Grund, warum der Parteichef seine schützende Hand über ihn hält. Gaulands Unterstützung wiederum sorgt dafür, dass sich auch diejenigen mit Kalbitz absprechen, die ihm und dem "Flügel" eigentlich nichts abgewinnen können. Und selbst die, die ihn gern stürzen würden, sagen: "Es gibt aktuell keinen, der so gut organisieren könnte."

Kalbitz' Leute sind praktischerweise an für ihn interessanten Stellen in der Bundestagsfraktion. Neben einer Handvoll Abgeordneter, die ihm Rapport erstatten, sind es auch Mitarbeiter. Einer, den er schon lange kennt, ist nun verantwortlich für Veranstaltungen. Eine Frau aus seinem Kreisverband ist Sekretärin im Büro des Parlamentarischen Geschäftsführers, ein Mann wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion. Eine Kreisvorsitzende, die für sein Machtgefüge in der Landespartei wichtig ist, hat einen Job in einem Arbeitskreis bekommen. Kalbitz sagt, die besagten Personen "haben sich regulär auf verschiedene Stellen in der Bundestagsfraktion beworben".

Und dann ist da noch die Junge Alternative (JA). Die Nachwuchsorganisation der AfD gilt in der Partei als Kalbitz' Machtinstrument, das er nach Belieben einsetzt.

Wenn Ordner, Popcornverkäufer und Bühnenbauer für Wahlkampftermine gebraucht werden oder wenn bestimmte Kandidaten auf Parteitagen besonders viel Applaus und Stimmen bekommen sollen, sagt Kalbitz Bescheid, so jedenfalls erzählen es Parteikollegen. Und die JA käme und würde brav kleben und aufhängen, verteilen, bauen, klatschen, abstimmen.

"Diese Darstellung ist unzutreffend und diffamiert das Engagement und auch die Eigenständigkeit unserer Jugendorganisation und jedes einzelnen JA-Mitglieds, das unsere Partei tatkräftig unterstützt", sagt Kalbitz.

Cottbus Mitte Juli, an der Stadthalle hängt ein Banner: "Cottbus ist bunt". Doch auf dem Platz davor sieht man vor allem blau. Und schwarz-rot-gold, die JA hat Deutschlandfahnen verteilt. Auf der Bühne steht Parteichef Jörg Meuthen, Kalbitz daneben. Junge Männer der JA laufen um die Zuhörer herum, beobachten, als wären sie auf Patrouille.

Und tatsächlich, sie entdecken drei, die nicht dazugehören. Sie kommen von der Gegendemo, einer der jungen Männer hat einen Kaffeebecher dabei, auf dem Anti-AfD-Sticker kleben, die Frau hüllt sich in eine Regenbogenfahne. Sie tun nichts, hören nur zu. Aber zwei JA'ler stellen sich hinter die drei, laufen mit, wenn sie sich bewegen. Dann kommt Franz Dusatko hinzu, auch von der Jungen Alternative, einer von Kalbitz' engsten Mitarbeitern. Er diskutiert mit den dreien. Später geht er zu Kalbitz, die beiden schauen zur Gegendemonstration, die Arme verschränkt. Dusatko berichtet, Kalbitz lacht.

Das militärische Auftreten, die Durchsetzungsstärke imponieren ihnen.

Dusatko ist einer von mehreren JA'lern, die Kalbitz über die Jahre versorgt hat, mit Stellen oder 450-Euro-Jobs, bei sich oder Kollegen. Kalbitz sagt auch hier, die Auswahl erfolge allein nach fachlichen Kriterien. Aber: "Natürlich erfolgen auch interfraktionell gegebenenfalls Nachfragen zu gemeinsam bekannten Bewerbern."

Glaubt man denen, die die jungen Männer der JA gut kennen, sind sie Kalbitz ergeben. Zum einen, weil er ihnen die Posten verschaffe, sich auch intern immer für die JA eingesetzt habe, das sorge für Loyalität. Zum anderen, weil er ihnen imponiere: das militärische Auftreten, die Durchsetzungsstärke, die Macht in der Partei. Außerdem sei er wie ein Mentor, ein Freund, gehe mit ihnen feiern.

Doch auch Angst spielt nach diesen Schilderungen offenbar eine Rolle, weil die jungen Männer nicht ihren ganzen Freundeskreis verlieren wollen, falls sie aus dem inneren Kreis verstoßen werden sollten. Außerdem wisse Kalbitz durch gemeinsames Feiern auch Peinliches über sie. Kalbitz weist Vorwürfe in diesem Zusammenhang zurück.

Weil sich Kalbitz so gern mit jungen Männern umgibt, kursieren seit Langem Gerüchte in der Partei. Was eigentlich Privatsache wäre, könnte relevant sein, weil sich die Gerüchte um junge Erwachsene drehen, die für ihn arbeiten. Und weil Kalbitz bald Chef der größten Fraktion im Landtag sein könnte, in der Theorie sogar Ministerpräsident.

Doch gerade in der Partei, die sich als Bewahrer der bürgerlichen Familie und Sexualmoral geriert, haben diese Gerüchte Kalbitz bislang nicht geschadet. Obwohl sie sogar öffentlich wurden.

Anfang 2017 berichtete die "Bild", dass es eine Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen Kalbitz gab. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüfte, ob sie Ermittlungen aufnehmen solle. Auf einer Party der JA am 1. August 2015 habe er sich "teilweise noch minderjährigen Jugendlichen sexuell genähert", hieß es in der Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen nicht auf. Kalbitz hatte parallel Anzeige wegen Verleumdung gegen unbekannt eingereicht und eidesstattliche Versicherungen von seinen JAlern vorgelegt. Sie bezeugten, dass er sich an dem Abend niemandem sexuell genähert habe. Kalbitz sagte heute: "Die erhobenen Vorwürfe sind haltlos. Dass juristisch bereits aufgearbeitete Verleumdungen nun kurz vor entscheidenden Wahlen medial 'aufgewärmt' werden, ist selbst erklärend."

Als die Anzeige damals in der Partei die Runde machte, ging Kalbitz intern in die Offensive, sprach von einer "geschickten Kampagne". Er wisse auch, wer sie angetrieben habe.

Der Mann, den er dahinter vermutet, soll kürzlich aus der Partei ausgetreten sein.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 35/2019.

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