Auf der Nordseeinsel Borkum gehörte die Hetze gegen Juden schon früh zum guten Urlaubston. Schon 1897 hob ein Reiseführer den "besonderen Vorzug" der Insel hervor: Im Gegensatz zum nahen Norderney sei Borkum "judenrein". Die "Kinder Israels" seien von den Kurgästen "stets weggeärgert" worden.

Wer sich als Jude dennoch dorthin wagte, dem konnte es ergehen wie dem Düsseldorfer Kunsthändler Jakob Sander, der im August 1905 auf die Insel kam. Nach einer von Sander organisierten Ausstellung mit Auktion waren Unbekannte in das Geschäftslokal gekommen und forderten, "der Jude" habe Borkum sofort zu verlassen.

Das jedoch war lediglich der Auftakt zu weiteren Radau-Szenen, die Sander kurz darauf in einem Schreiben an das "Berliner Tageblatt" schilderte. Zwei Tage später hätten an den Häusern Plakate mit der Aufschrift "Raus mit den Juden aus Borkum" gehangen. Eine Schar Kinder mit Gewehren habe den Auktionsraum besetzt. "Dann kam eine große Zahl Antisemiten und rief: 'Der Jude muss hinaus!'" Nachdem

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 4/2019.
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