Am Anfang war die Schuld. Keine böswillige, absichtsvolle, nur ein jäher Moment des Egoismus. Als an einem Spätherbstnachmittag vor 103 Jahren ein Mann und sein kleiner Sohn durch die sanft hügelige Steppe südlich der Stadt Kobane reiten, die es da noch nicht gibt.

Sie hören Stimmen. Hohe, leise Kinderstimmen, die sie nicht verstehen, kein Arabisch, kein Kurdisch, kein Türkisch. Sechs Kinder sitzen etwas verborgen zwischen Steinen. Es müssen Armenier sein. Der Mann erschrickt. Sie sind doch selbst auf der Flucht, haben fast nichts mehr, können sich nicht noch um sechs Kinder kümmern.

Sie reiten weiter, kommen im Dorf Girde an, wohin sich die türkischen Gendarme nicht mehr trauen. Aber den Mann lässt es nicht los, dass sie weitergeritten sind. Er erzählt den anderen von den Kindern und seiner Furcht, schämt sich, will zurück. Warte, sagen sie, nachts ist es sinnlos.

Am nächsten Morgen ziehen sie los und finden die sechs. Abgemagert, fast nackt, erfroren.  

Ein Jahrhundert später antwortet

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