Der belgische Psychologe Pierre Philippot unternahm vor einigen Jahren ein Experiment: Er wusste, dass die Atmung eines Menschen zuverlässig darüber Auskunft gibt, wie es ihm geht. Angst, Wut, Trauer, Glück – jedes Gefühl hat sein eigenes Atmungsmuster. Wutschnaufen, Aufatmen, vor Schreck die Luft anhalten – Emotionen und Atmung sind untrennbar miteinander verbunden. Auch wenn dem Menschen das nicht bewusst sein mag. 

Für sein Experiment bat Philippot die Probanden, nach verschiedenen Atemmustern Luft zu holen. Anschließend befragte er die Teilnehmer, wie sie sich fühlten, und fand heraus: Die Freiwilligen, die so geatmet hatten, wie wir es bei Wut tun, fühlten sich plötzlich wütend, ohne einen Grund dafür zu haben. Die Atmung hatte ihre Gefühle gesteuert und verändert.

Die Atmung gehört zu den Körperfunktionen, die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Wie die Verdauung oder die Körpertemperatur. Doch auf diese anderen vegetativen Körperfunktionen haben wir keinen direkten Einfluss. Wir können unsere Verdauung nicht verändern. Wir können unsere Körpertemperatur nicht steuern.

Die Atmung ist die einzige vegetative Körperfunktion, die wir willkürlich beeinflussen können. Das macht sie so besonders.

Auf diesem Phänomen beruht nicht nur Philippots Experiment, sondern eine ganze Reihe von Atemübungen, die sich diesen Umstand zunutze machen. Denn wenn man sich wütend atmen kann, bedeutet das umgekehrt, dass man sich auch glücklich und entspannt atmen kann. 

Wer das trainieren möchte, der kann damit beginnen, eine ganz einfache Atemübung in seinen Alltag zu integrieren, die so oder ähnlich von indischen Yogis praktiziert wird, von amerikanischen Militärs oder deutschen Therapeuten.

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