Dieser Text stammt aus der SPIEGEL-Ausgabe 28/2019. Am 31. Juli 2019 wurde Rupert Stadler angeklagt.

Rupert Stadler wird gelegentlich an einem der Seen gesichtet, die nahe Ingolstadt liegen. Der Mann, der mehr als ein Jahrzehnt lang Audi gesteuert hat, joggt dort. Wenn er auf ehemalige Kollegen trifft, läuft Stadler an ihnen vorbei, als würde er sie nicht kennen. Kein Wort, kein Nicken. Stadler sei scheu geworden, berichten Vertraute.

Der ehemalige Autoboss hat einen guten Grund, sich so zu verhalten. Er befolgt eine Anordnung des Oberlandesgerichts München: Stadler hat sich "jeder unmittelbaren oder mittelbaren Kontaktaufnahme" zu enthalten – nicht nur "zu sämtlichen Mitbeschuldigten und Zeugen aus dem Ermittlungsverfahren" gegen ihn und andere Verantwortliche von Audi, sondern auch "zu sämtlichen als Zeugen in Betracht kommenden, ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern der Firma Audi AG und des VW-Konzerns".

Das muss ihm schwerfallen in Ingolstadt, wo gefühlt jeder etwas mit Audi zu tun hat. Aber Stadler scheint sich an die Auflagen zu halten, vermutlich auch deshalb, weil ein schuldhafter Verstoß "die sofortige Wiederinvollzugsetzung des Haftbefehls zur Folge" hätte. Er müsste dann wieder, wie schon von Juni bis Oktober 2018, in eine Zelle der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen ziehen. Die Kaution von drei Millionen Euro, die Stadler über eine Bürgschaft der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt hinterlegt hat, würde verfallen.

Acht Monate lebt Stadler schon mit dieser Kontaktsperre. Erst jetzt kommt Bewegung in den Fall. Aber es ist keine, die dem Ex-Audi-Boss gefallen dürfte. 

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 28/2019.
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