Es ist kalt geworden in Chemnitz. Am Karl-Marx-Monument zieht an diesem Novemberabend nasser Nebel auf. Vor einem Zweckbau, in dem einst die SED residierte, liegt ein Hauch von Volksaufstand in der Luft.

Die "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" hat zur Mahnwache eingeladen, wie jeden Freitag am Nischel. So nennen die Chemnitzer den großen bronzenen Kopf des Philosophen.

Männer mit Pepitahut in Deutschlandfarben sind gekommen, manche haben sich gelbe Warnwesten übergezogen, wie die Gilets jaunes in Frankreich.

In der Menge steht Sepp List. Er war lange CDU-Wähler, bis Herbst 2015, als Angela Merkel beschloss, Tausende Flüchtlinge nach Deutschland zu lassen. Seitdem verachtet er die Kanzlerin.

Die Menge setzt sich in Bewegung, in den dunklen Straßen hallen die Rufe von den Häuserwänden. "Gebt auf eure Kinder acht, Merkel ist noch an der Macht."

In der Brückenstraße, vor Hausnummer 8, verstummt der Zug. Hier, beim Alanyadöner, wurde am 26. August Daniel Hillig getötet, mit fünf Messerstichen in die Brust.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 52/2018.
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