Sie sind zu alt, um die meiste Zeit im Zug friedlich zu schlafen. Zu jung, um sich ab Abfahrt für die nächsten 500 Kilometer in ein Buch oder den Malblock zu vertiefen. Dafür aber genau im richtigen Alter, um eine Bahnfahrt für die Eltern zu einer Herausforderung zu machen: die Zwei-bis Fünfjährigen. Als betroffenes Elternteil sprechen Sie sich Mut zu: Es ist alles nur eine Phase. Es werden auch wieder entspanntere Bahnfahrten kommen. Nur jetzt stecken Sie eben in einem eher aufregenden Lebensabschnitt. In diesem Sinne - los geht´s:

1. Jetzt aber schnell

Vorrangig sind sie für Mütter und Väter, die mit Babys oder Kindern bis zu drei Jahren reisen, gedacht. Aber - hüstel - man ist natürlich auch sehr froh, wenn man mit einem gerade Vierjährigen Plätze in der geschlossenen Anstalt für bahnreisende Familien ergattert: in dem Kleinkindabteil.

Trotzanfälle, Geschwisterzank und anderweitige Auseinandersetzungen "Mäusemann, ich sag es jetzt nicht noch einmal: Hör SOFORT auf, den Tischmülleimer auszuräumen. SCHLUSS JETZT!" stören hier niemanden. Im Gegenteil, mitunter ist es ja erleichternd zu sehen, dass es in anderen Familien ähnlich wild zugeht wie in der eigenen. Kleinkindabteile gibt es in jedem ICE und den meisten ICs/ECs. Die Plätze darin sind sehr begehrt und reservierbar ab drei Monate vor Abfahrt. Auf Zack sein lohnt sich also nicht nur wegen des Sparpreises.

Für alle Ü3 ist der Familienbereich vorgesehen. Diese speziell ausgewiesenen Tischplätze gibt es in allen ICEs und doppelstöckigen IC 2 - allerdings im Großraum. Wen die Aussicht auf eine solch exponierte Sitzgelegenheit stresst, sollte prüfen, ob nicht auch ein älterer IC ans Ziel fährt - darin gibt es nämlich noch Familienbereiche mit Schiebetür. Kleinkindabteil und Familienbereich sind ausgebucht? Dann suchen Sie nach einer früheren oder späteren Verbindung. 

Machen Sie auf keinen Fall den Fehler, einen Platz im Ruheabteil zu buchen, damit Alva dort in Ruhe ihr Vormittagsschläfchen absolvieren kann. Sie wird kein Auge zutun - aber die Augen aller anderen Mitreisenden werden genervt auf Sie gerichtet sein. Zu Recht.

2. In Etappen denken

Der Instinkt bei der Zugreiseplanung sagt einem: Umsteigen vermeiden! Die Zusammenpackerei im Abteil, die Schlepperei über den Bahnsteig, die Rennerei zum Anschlusszug - lieber nicht! Die Erfahrung zeigt aber auch: Umsteigen kann auch eine willkommene Abwechslung sein - und der nach vier Zugstunden abnehmenden Reiselaune noch mal einen Kick für die letzten 200 Kilometer geben. Wer Hilfe beim Ein-, Um- oder Aussteigen braucht, kann kostenlos den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn buchen.

Auch eine Überlegung wert: eine Spielplatzpause einzuplanen. Auf Google Maps kann man gut erkennen, bei welchem Bahnhof entlang der Strecke ein Spielplatz oder Park ums Eck liegt.

Sie reisen zu zweit mit Kind: Herrlich, denn oft ist ja auch ein Elternteil allein mit Kind oder Kindern unterwegs zu den Großeltern oder zu Freunden. Mit doppelter Power kann sich jeder Erwachsene im Wechsel zwischendurch mal auf einen entfernten, freien Platz zurückziehen, während der andere übers Kind wacht.

3. Die innere Haltung

Wer keine Erwartungen hat, erlebt auch keine Enttäuschungen. Machen Sie sich vor Abfahrt klar: Für Sie sind Zugfahrten jetzt einige Jahre lang nicht mehr das, was sie mal waren. Während Sie früher in Ruhe ein Buch gelesen oder einige Hundert Kilometer am Stück geschlafen haben, werden Sie nun froh sein, wenn es Ihnen zwischen Flensburg und Fürth gelingt, drei bis vier WhatsApp-Nachrichten abzusetzen.

Stellen sie sich innerlich darauf ein, dass Sie so ziemlich durchgehend beschäftigt sein werden: mit Wickeln oder aufs Klo begleiten, mit dem Organisieren des Spielzeugzugs im Bordbistro, dem anschließenden Trösten, weil dem Kind, sobald die Packung aufgerissen ist, natürlich einfällt, dass es viel lieber 'Opa Adler' statt 'Nick Nachtzug' hätte, als Vorleser-/in, Hörspiel-DJ und Caterer (siehe Punkt 6 "Versorgung sichern"). 

Sie werden viel mit Feuchttüchern hantieren, Butterkekskrümel und abgebrochene Salzstangen aufsammeln , versuchen, den Nachwuchs zum Schlafen zu bewegen ("Schätzelchen, komm, wir machen jetzt einen richtig gemütlichen Mittagschlaf. Bitte nicht so mit den Füßen strampeln. Och komm, Augen zu, versuch doch mal") - und dieses Ansinnen wieder aufgeben.

Wie stellte neulich eine alleinreisende Dame so treffend fest, die sich aus unerfindlichen Gründen freiwillig im Kinderabteil niedergelassen hatte und fasziniert dem regen Treiben der Mutter mit den zwei Kleinkindern zuschaute: "Sie wissen aber auch, was Sie am Ende des Tages geschafft haben." Stimmt.

4. Schlau packen

Damit Sie die eigenen Hände frei haben, um am Bahnhof den Kinderwagen zu schieben oder die "Neiiiiin-nist-Buggy-will-laufen"-Mitglieder ihrer Reisegruppe im Gedränge nicht zu verlieren, ist ein großer Reiserucksack praktisch. In den Deckel gehören für den schnellen Zugriff: Windeln, Windelbeutel, Feuchttücher und eine Wechselgarderobe. Und eine Packung Desinfektionstücher für die Zugtoilette.

5. Verbündete suchen

Bevor Sie Kinder hatten, fanden Sie es bedauerlich, wenn Zugestiegene das gerade noch so schön leere Abteil betraten? Jetzt nicht mehr. Denn beim Zugfahren mit Kindern gilt: Je voller es im Abteil ist, desto entspannter wird die Fahrt. Begrüßen Sie jedes Fremdkind plus Erziehungsberechtigten freudig, teilen Sie bereitwillig Gummibärchen, Gurkenscheiben und Ihren Schoß ("Na klar, komm, Ella, natürlich kannst du mit uns 'Conni' lesen"). Umgekehrt darf Ihr Kind dann sicher auch mal mit dem Tiptoistift (siehe Punkt 7 "Bordprogramm") der anderen Kinder spielen. Und - auch das ist eine echte Erleichterung: Angesichts des Betreuungsschlüssels im Abteil können Sie sich selbst auch mal auf die Toilette wagen. Allein.

6. Versorgung sichern

Die schnelle Nummer geht immer: Brötchen und Getränke beim Bahnhofsbäcker zuladen und ansonsten auf das Angebot im Bordbistro setzen. Allerdings hat das Outsourcing der Reisestärkung natürlich auch ihren Preis. Jedoch nicht nur aus Spargründen lohnt es sich, die Proviantierung vorab zu planen und entsprechend einzukaufen: Mit Obstschnitzen, Butterbroten, Gemüsesticks, Gouda- oder Fleischwurstwürfeln, vorgekochten Nudeln und einem Glas Pesto kann man Picknicks am Zugtisch als richtigen Programmpunkt zelebrieren. Wenn man das Mehrweggeschirr schließlich wieder zurück in die Verpflegungstasche packt, ist nämlich wieder eine halbe Fahrtstunde um.

Merke: Lieber zu viel einkaufen als zu wenig, Zugfahren macht sehr hungrig. Mut zum Süßigkeitenverteilen wird in der Regel ebenfalls von den Mitreisenden goutiert.

7. Bordprogramm

Neben den Standards (kleine Autos, Kuscheltier, Puppe, Malstifte und -block, Sticker) sind Tiptoibücher (zum Beispiel "Entdecke die Eisenbahn") eine zwar etwas großformatige, aber abwechslungsreiche Beschäftigung. Dünne und leichte Vorlesebücher gibt es etwa in der Minimax-Reihe oder von Maxi-Pixi. Auch praktisch: Kinderkopfhörer für die vorab aufs Elternhandy geladenen Hörspiele. Vielseitig und in der zugehörigen Box praktisch zu transportieren: Steckblumen.

Und: Auf ausgewählten Strecken sind in vielen Zügen auch Kinderbetreuer der Deutschen Bahn mit an Bord. Mehr Infos gibt es hier.

8. Eigenlob nicht vergessen

Auch wenn Sie es bei Kilometer 153 noch nicht glauben können: Kommen die strahlenden Großeltern am Bahnsteig erst in Sicht oder ist das Urlaubziel erreicht, sind die Mühen der Anfahrt ruck, zuck vergessen. Und man selbst kann sich auf die Schulter klopfen: Wieder eine Herausforderung gemeistert!

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