Im Oktober vergangenen Jahres sieht Michael Reim, wie seine Frau im Morgengrauen die Tür ihres gemeinsamen Hauses im Berliner Westend hinter sich zuzieht. Sie wird eine S-Bahn zum Bahnhof nehmen, dort in einen Zug Richtung Ulm steigen und sieben Stunden später an ihrem Ziel ankommen.

Michael Reim steht an diesem Morgen am Fenster. Er hat die Nacht über nicht geschlafen. Am Abend zuvor hatte er gefragt: "Hast du was mit dem?" "Ja", hatte sie gesagt. Und dass sie ihn verlassen werde.

Vor 28 Jahren, erzählt Reim, habe er seine Frau beim Segeln auf dem Ammersee zum ersten Mal gesehen. Auf dem Boot habe er sie dann "ein bisschen frech angequatscht", und es habe geklappt. Ehe, zwei Töchter, ein Haus. Und auch: gemeinsam glücklich zu sein.

Und doch sieht er an diesem Morgen zu, wie seine Frau ihn verlässt. Er sagt: "Ich kann ihr keinen Vorwurf machen."

Wie kann so wenig übrig bleiben von einem ganzen gemeinsamen Leben?

Michael Reim ist 68. Er war Lehrer für Französisch und Sport an einer Gesamtschule, seit ein paar Jahren ist er in Pension. Er sagt, er habe seiner Frau stets Komplimente gemacht: was für eine tolle Mutter, eine tolle Köchin sie sei. Auch, dass sie toll aussehe. Vielleicht habe er zu häufig seinen Kopf durchgesetzt?

In den Monaten nach der Trennung las Reim seine Tagebücher. Er fand dort Sätze, die von geschlossenen Türen, vom einsamen Einschlafen berichten. "Warum warst du heute so abweisend? Weshalb küsst du mich nicht mehr?"

Als Ute Reim, 51, nach Ulm ging, zog sie zu ihrer Jugendliebe. Sie sagt: "Ich bin nicht gegangen, weil ich ihn hasse."

Warum dann?

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