Jeder kennt die Musik der Beatles, jeder liebt sie. Was wäre, wenn die Menschheit sie vergessen hätte? Und es nur einen Mann gäbe, der sie kennt? Und was wäre, wenn dieser Mann nun so tut, als hätte er die Songs geschrieben, und so eine Weltkarriere beginnt? Darum geht es in "Yesterday", dem neuen Film des britischen Regisseurs Danny Boyle, 62, der am 11. Juli in die Kinos kommt. Berühmt wurde Boyle mit dem Heroindrama "Trainspotting" (1996), sein Film "Slumdog Millionär" (2008) gewann acht Oscars, 2012 inszenierte er die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in London. Im vergangenen Jahr hätte Boyle eigentlich den neuen James-Bond-Film drehen sollen, doch vor Drehbeginn wurde er durch einen Kollegen ersetzt.

SPIEGEL: Mr Boyle, ist es möglich, dass Ihr neuer Film "Yesterday" ein Anti-Brexit-Film ist?

Boyle: O Gott, wie kommen Sie darauf?

SPIEGEL: Er zeigt Großbritannien von seiner besten Seite.

Boyle: Ja, das tut er. Der Film feiert die Musik der Beatles. Damals, als sie berühmt wurden, hat man sie verleumdet, die Fans und die Musiker. Dabei haben sie Geschichte geschrieben, im Nachhinein ist ihre Musik ein Ereignis wie der Fall der Berliner Mauer. Sie haben diese Musik ins nationale Bewusstsein gedrückt, zum Entsetzen des Establishments. Vier junge Typen aus Liverpool wurden zu Symbolen einer Bewegung, die dem Establishment den Kampf ansagte: Wir gehen nicht mehr in eure Armee! Wir wollen die Jobs nicht mehr, die ihr für uns vorgesehen habt. Stattdessen haben sie die Liebe gefeiert, die Selbstverwirklichung, die Jugend.

SPIEGEL: Sie sind Jahrgang 1956. Was haben Sie als Kind von den Beatles mitbekommen?

Boyle: Ich war sieben, als die Beatlemania in Großbritannien explodierte. Als Kinder haben wir so getan, als wären wir eine Band. Meine Zwillingsschwester war in Paul McCartney verliebt, also war sie Paul und ich John Lennon.

SPIEGEL: "Yesterday" spielt in der Gegenwart, einer bizarren Welt: Kein Mensch kennt die Beatles außer einem jungen Musiker, der bislang in Kneipen aufgetreten ist. Haben Sie Paul McCartney und Ringo Starr, die noch lebenden Beatles, gefragt, was sie von diesem Jux halten?

Boyle: Man braucht eine Genehmigung, wenn man ihre Songs in einem Film verwenden will. Und schon aus Höflichkeit haben wir ihnen vorab das Drehbuch geschickt und hinterher den fertigen Film. Aber es gab keinen persönlichen Kontakt. Wir haben einen sehr netten Brief von Ringo bekommen. Und einen sehr netten Brief von Olivia, der Witwe von George Harrison.

SPIEGEL: In "Yesterday" gibt der Kneipenmusiker die Songs der Beatles als seine eigenen aus und tritt damit auf. Was kostet es, ein Dutzend Beatles-Lieder in einem Spielfilm zu verwenden?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 28/2019.
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