Seit fünf Jahren steht ein Bauzaun vor der Bremer Bildungsbehörde. Ein Fassadengestalter hat in den Sechzigerjahren den Sockel des Gebäudes im Bahnhofsviertel mit einem prächtigen Relief aus Muschelkalk verziert. Bremen war damals so reich, dass es sich Kunst am Bau leistete und jedes Jahr Millionen in den Länderfinanzausgleich einzahlte, für ärmere Bundesländer wie Bayern.

Heute ist das Ornament eine Gefahr für Passanten, der Muschelkalk so marode, dass Teile herabstürzen können. Die Baustelle sieht aus, als rückten jeden Moment Arbeiter an. Aber es kommt niemand. Frühestens im Jahr 2021 soll das Kunstwerk instand gesetzt werden, zumindest Teile davon.

Das vergitterte Relief symbolisiert die Probleme der Behörde, der Stadt und des ganzen Bundeslands. Und es erinnert Bildungssenatorin Claudia Bogedan jeden Morgen an ihre größte Sorge: Es fehlt Geld. Für die Renovierung des Kunstwerks, für Klassenräume und Turnhallen, für Lehrer und Erzieher.

Den anderen Ressorts des Senats geht es nicht besser. Wäre die Stadt ein Unternehmen, hätte sie wohl längst Insolvenz anmelden müssen. Um die 21,6 Milliarden Euro Schulden abzutragen, müsste jeder Bürger von Bremen und Bremerhaven mehr als 30.000 Euro an die Stadtkasse überweisen. Die Pro-Kopf-Verschuldung des Stadtstaats ist – mit Abstand – bundesweit die höchste.

Am 26. Mai wählen die Bewohner der Hansestadt ein neues Parlament. Erstmals seit Ende 1946 ist die Macht der Sozialdemokraten ernsthaft bedroht, die CDU liegt in Umfragen leicht vor der SPD. Die Genossen mit ihrem Bürgermeister Carsten Sieling könnten ihre letzte Bastion verlieren. Darum blicken auch die Spitzen der Bundes-SPD nervös in Richtung Weser.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 21/2019.
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