Weltweit werden am Samstag kommender Woche beim Finale der Champions League rund 150 Millionen Menschen vor dem Fernseher sitzen: Tottenham Hotspur gegen den FC Liverpool.

Es ist neben dem Super Bowl im American Football das größte Sportereignis des Jahres. Doch es ist mehr als nur ein Spiel. Auf der Tribüne werden die höchsten Verbandsfunktionäre Europas erwartet, einflussreiche Vermarkter, Unternehmer. Für sie alle ist das Event eine Art Messe.

Im Stadion stehen sich auch zwei Konzerne gegenüber: Auf der einen Seite nimmt Enic International von den Bahamas Aufstellung, Teil eines Gemischtwarenladens, der schon in Softwarebetriebe, Onlinewettbüros und Restaurants investiert hat und jetzt unter anderem Tottenham Hotspur hält. Auf der anderen Seite fiebert die Fenway Sports Group aus den USA mit, der ein Fernsehsender, ein Musikunternehmen und Profivereine wie der FC Liverpool gehören.

Hinter den Endspielgegnern Tottenham und Liverpool verbergen sich sehr unterschiedliche Geschäftsstrategien. Tottenham-Chef Daniel Levy, der dienstälteste Vereinsboss in der Premier League, führt den Londoner Klub mit erstaunlich geringen Verlusten auf dem Transfermarkt. Der FC Liverpool hat mit Trainer Jürgen Klopp deutlich mehr Miese mit Spielerkäufen gemacht.

Deutsche Fußballfans beobachten die Praktiken genau. Die rasanten Aufstiege der TSG Hoffenheim und von RB Leipzig haben sie sensibilisiert. An diesem Samstag steht mit Leipzig ein Verein im deutschen Pokalfinale, der seinen Aufstieg allein dem Kapital seines Sponsors verdankt – des österreichischen Getränkeherstellers und Medienkonzerns Red Bull. Er trifft in Berlin auf den FC Bayern München. BMW und Audi haben sich in den vergangenen Monaten eine Milliardenschlacht um Anteile an dem deutschen Meister geliefert.

In den vergangenen Jahren haben Autokonzerne und Sportausrüster, chinesische Multikonzerne, arabische Scheichs, Staatsfonds und Investmentfirmen aus der ganzen Welt Milliarden in den Fußball gepumpt. Wer geglaubt hatte, der Boom würde bald zu Ende sein, weil der Fußball, diese so einfache Unterhaltungsware, nicht beliebig ausbaufähig ist, der hatte sich getäuscht.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 22/2019.
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