Heute, ziemlich genau 50 Jahre nach Woodstock, gilt Santana als einer der besten Gitarristen der Welt, hat zehn Grammys gewonnen und Millionen Platten verkauft. Er hat sich bereit erklärt, jetzt noch einmal über Woodstock zu reden, beziehungsweise über das, woran er sich noch erinnert, und empfängt dafür in seinen Büroräumen (ja, Rockstars haben heute Büroräume) in einer kleinen Business-Mall direkt am Highway, eine halbe Stunde nördlich von San Francisco. Nicht weit von hier hatten früher auch Grateful Dead ihr Hauptquartier, diese Gegend war mal eines der Epizentren der Hippiebewegung. An die Wand über dem Klo hat Santana, vergrößert und in silbernem Rahmen, die Woodstock-Tickets für alle drei Tage aufgehängt. Sie kosteten damals sechs Dollar pro Tag.

Mitte August, zum 50. Woodstock-Jubiläum, wird Santana wieder an selber Stelle auf der Woodstock-Wiese in Bethel im Bundesstaat New York auftreten. Es wird allerdings schwer sein, seinen Auftritt von damals zu toppen.

David Brown, Carlos Santana beim Woodstock-Festival (1969)
Tucker Ransom/ Getty Images

David Brown, Carlos Santana beim Woodstock-Festival (1969)

SPIEGEL: Mr Santana, wie war das damals vor einem halben Jahrhundert in Woodstock?

Carlos Santana: Ich erinnere mich, dass wir schon eine Woche vorher dort waren. Wir hatten ein Haus gemietet. Wir kamen aus San Francisco, waren noch nie in New York und wollten uns akklimatisieren. Es gab ein Restaurant, in das wir immer gingen. Um die Ecke lebte angeblich Bob Dylan. Aber wir haben ihn nie gesehen. Das war nicht meine Liga.

SPIEGEL: Es gab noch nicht mal ein Santana-Album.

Santana: Nein, unser Debüt erschien erst zwei Wochen später. Uns kannte in New York niemand.

SPIEGEL: Keine Idealbedingungen, um dann dort vor 500.000 Menschen zu spielen.

Santana: Bill Graham, der Betreiber des Klubs The Fillmore West, hatte den Auftritt für uns eingefädelt, indem er den Woodstock-Leuten sinngemäß gesagt hat: Ihr könnt Grateful Dead haben, aber dann müsst ihr auch diesen Santana auftreten lassen. Bill hat uns dann noch in San Francisco regelrecht vorbereitet auf unseren Woodstock-Auftritt. Wie man einen Boxer für einen Kampf trainiert. Wie waren nicht ganz unerfahren. Drei Wochen vor Woodstock hatten wir auf dem Seattle Pop Festival gespielt mit Led Zeppelin, den Doors und Ike and Tina Turner. Da waren auch schon 50.000 Leute. Und ich war auf Acid.

SPIEGEL: Wie ja dann auch bei Ihrem Woodstock-Auftritt.

Santana: Da war es Meskalin.

SPIEGEL: Ach so.

Santana: Ich glaube, es war Meskalin. Es sah aus wie Pilze. Jerry Garcia von Grateful Dead kam damit an. Wir kannten uns aus San Francisco und hatten uns backstage getroffen. Es war erst Mittag, wir hatten Glück gehabt und einen frühen Helikopter zum Festival bekommen. Garcia sagte: "Hey, wir gehen um Mitternacht auf die Bühne, und ihr seid erst nach uns dran. Willst du einen Trip?" Ich nahm das Meskalin. Es schien perfekt, noch zwölf Stunden bis zum Auftritt. Aber dann sind ein paar Bands, die am Nachmittag spielen sollten, nicht aufgetaucht wegen des Verkehrschaos, und zwei Stunden später kam ein Veranstalter und sagte, wir müssten auf die Bühne.

SPIEGEL: Sie hatten das nicht so geplant?

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