Die berühmte Schauspielerin, die Politikerin werden will, steht inmitten einer Traube aus Menschen in der South Bronx, die Sonne brennt, es gibt keinen Schatten. Sie trägt einen blauen Bleistiftrock, schwarze Nylonstrümpfe und High Heels. Die Traube um sie herum besteht zu einem Teil aus Menschen, die selbst gebastelte Pappschilder gegen Wuchermieten in die Höhe halten ("The rent is too damn high"). Der andere Teil sind Journalisten, die das Bild der Schauspielerin mit den Hilfe suchenden Bewohnern der Bronx in die Welt tragen sollen.

Die Schauspielerin heißt Cynthia Nixon, in der weltbekannten New Yorker Frauenserie "Sex and the City" hat sie Miranda gespielt, eine anfangs erfolgreiche, etwas zynische Powerfrau, wie das damals hieß, im Manhattan der Jahrtausendwende. In New York kennt fast jeder sie in dieser Rolle, Miranda klebte jahrelang als Reklame für die Serie an den New Yorker Bussen.

Die Menschen in der Bronx erzählen Nixon und ihrer Presseentourage, wie kriminelle Vermieter und Immobilienfirmen sie aus ihren Wohnungen treiben wollen, weil offenbar selbst in der Bronx die Gentrifizierung voranschreitet. Nixon ist womöglich gekommen, weil sie den Menschen hier in der Bronx wirklich helfen will. Vor allem aber möchte sie Gouverneurin des Bundesstaates New York werden. Selbst das ist nicht ganz klar, denn es heißt, dass ihre Chancen "sehr gering bis null" seien, bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei am Donnerstag den Amtsinhaber zu schlagen, den mächtigen, mit allen Wassern gewaschenen, aus einer New Yorker Politikerdynastie stammenden Gouverneur Andrew Cuomo.

Aber in der gesamten Demokratischen Partei hat sich niemand anderes gefunden, der es gewagt hätte, gegen Andrew Cuomo anzutreten. Cuomo verfügt über eine Kriegskasse von 30 Millionen Dollar, das meiste Geld kommt von Immobilienkonglomeraten und Pharmafirmen. Er ist bereit, jeden plattzumachen, und bekannt für seine Vergeltungsschläge. Have fun.

Warum tut sich Cynthia Nixon, die ein schönes Leben als Emmy-Preisträgerin und Millionärin zusammen mit ihrer Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn führt, das also an? Nach drei Monaten mit ihr im New Yorker Wahlkampf lässt sich sagen: Es ist sehr anstrengend. Spaß machen diese Termine nur bedingt. Und das alles, um am Ende "sehr geringe bis null Chancen" zu haben, gewählt zu werden?

Doch dies sind keine normalen Zeiten. Wir erinnern uns, dass die Chancen eines gewissen Donald Trump sehr gering bis null waren, die Vorwahlen der Republikaner, geschweige denn die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen; genauso wie die Chancen des ehemals weithin unbekannten Vermonter Senators Bernie Sanders sehr gering bis null waren, der Favoritin Hillary Clinton annähernd gefährlich zu werden; oder die Chancen der 28-jährigen Alexandria Ocasio-Cortez aus der Bronx, einen langjährigen New Yorker Abgeordneten in den Vorwahlen der Demokraten zu verdrängen und an seiner Stelle für das US-Repräsentantenhaus anzutreten.

Im Englischen gibt es ein Modewort für diesen neuen Politikertypus: "Disruptor". Streng genommen gar kein Politiker, hat der Disruptor ganz neue Vorstellungen davon, wie Politik zu gestalten sei, im Guten wie im Bösen. Disruptoren wollen über Jahrzehnte gewachsene politische Verbindungen aufbrechen, sie wenden sich gegen Angehörige der eigenen Partei, sie fühlen sich einer Idee (Bernie Sanders: demokratischer Sozialismus) oder einem Eigeninteresse (Donald Trump: Selbstdarstellung) eher verpflichtet als einer Partei, oft sind sie finanziell unabhängig vom Politbetrieb, weil sie Eigenvermögen einsetzen oder Kleinstspenden sammeln.

Sie profitieren von einer neuen Lust an Politik bei gleichzeitiger Ablehnung der herrschenden politischen Systeme.

In Florida stehen zum Beispiel bei der kommenden Gouverneurswahl überhaupt keine etablierten Politiker mehr zur Wahl. Bei den Republikanern hat sich ein radikaler Trump-Jünger gegen das Parteiestablishment durchgesetzt. Und die Demokraten haben für Andrew Gillum gestimmt, 39 Jahre alt, gut aussehend, ein Afroamerikaner mit ultraprogressivem Wahlprogramm im Stile von Bernie Sanders, Ocasio-Cortez oder eben Cynthia Nixon.

"No more career politicians" steht an diesem Tag in der Bronx auf einem Pappschild, das einer der Demonstranten gegen den Mietwucher Cynthia Nixon entgegenhält. Sie müsste sich bestätigt finden.

Cynthia Nixon hat als Politikerin keinerlei Erfahrung. Sie war nur nebenbei Aktivistin für die Rechte von Schwulen, Lesben oder Transgender-Leuten. Doch für Nixon spricht nicht nur, dass sie eine Disruptorin ist. Der linke, progressive Flügel der Demokratischen Partei, für den Nixon steht, ist im Aufwind. Im Moment gewinnen überall im Land bei demokratischen Vorwahlen progressive Kandidaten gegen die des Establishments. Manche sprechen von einer "progressiven Revolution".

Die Partei befindet sich in einem heftigen Richtungsstreit. Die Frage lautet, wie man auf die Trump-Regierung reagiert. Indem man mit moderaten Kandidaten des Establishments die von den Trump-Republikanern aufgegebene Mitte besetzt? Eine naheliegende Idee, die nur das Problem hat, dass dort, wo die gesellschaftliche Mitte vermutet wird, in den USA eine riesige Leere herrscht. Womöglich gibt es da nichts zu besetzen. Die Wähler sind entweder panisch nach rechts oder panisch nach links geflüchtet. Und links, das stellen die Demokraten gerade fest, gibt es allerhand bisher verschüttete Wählerstimmen zu gewinnen, zum Beispiel bei den Millennials, Millionen von Anfang Zwanzig- bis Mitte Dreißigjährigen, die bisher selten zur Wahl gingen, aber progressiv denken.

"Sex and the City"-Star Nixon (r.): In New York kennt sie fast jeder in dieser Rolle
BILL DAVILA / FILMMAGIC

"Sex and the City"-Star Nixon (r.): In New York kennt sie fast jeder in dieser Rolle

Die Anhänger von Cynthia Nixon, der New Yorkerin Alexandria Ocasio-Cortez oder Andrew Gillum aus Florida hoffen, dass diese neuen Stars der Demokraten die Partei neu beleben. Ihre innerparteilichen Gegner wie Andrew Cuomo fürchten, dass die Partei den Republikanern endgültig das Feld überlässt, wenn sie sich auf diesen Pfad begibt.

Die Disruptoren müssen Populisten sein. Cynthia Nixons Wahlkampfthemen sind, in dieser Reihenfolge: Die New Yorker U-Bahn muss endlich repariert werden, damit die absurden Verspätungen aufhören. Schuld an der Misere ist der amtierende Gouverneur Cuomo. Zweitens, Cuomo ist korrupt, Teil eines verfilzten demokratischen Establishments, und zudem ein "Bully", der andere herumschubst, im Grunde eine demokratische Version Donald Trumps. Drittens, Wohnungen müssen wieder erschwinglich werden für alle New Yorker. Sie sind es nicht, weil Cuomo mit der Immobilienmafia unter einer Decke steckt. Viertens, Marihuana muss auch in New York legalisiert werden, weil selten Weiße, aber massenweise Afroamerikaner und Latinos verhaftet werden. Fünftens, Krankenversicherung für alle, höhere Steuern für die Reichen. Es kann nun jeder für sich selbst entscheiden, ob das ein populistisches Programm ist.

Die Menschen in der Bronx jedenfalls sind froh, dass jemand aus dem Fernsehen überhaupt vorbeikommt, Selfies macht und ein wenig über ihre Probleme redet. Und einen Haufen Journalisten mitbringt, die mit ihren Handys alles aufnehmen, was die Menschen in der Bronx sagen.

Sie kommen von den lokalen Boulevardzeitungen "New York Daily News" und "New York Post", die die Schauspielerin als Celebrity gut finden, als Politikerin jedoch ablehnen ("New York Daily News") beziehungsweise verabscheuen ("New York Post"). Sie kommen von linksliberalen Millennial-Websites wie Mic, Jezebel oder Vice, für die Nixon eine Heldin ist. Die Fernsehreporter haben Mikrofone in der Hand, auf deren Schaumstoffbällen Sendernamen stehen, von denen man noch nie gehört hat, WXTV oder WLIW.

Wenn man die Szenerie des Nachmittags am Abend schließlich in den Nachrichten der Lokalsender findet, irgendwo zwischen Kanal 150 und 180, sieht sie perfekt aus und ergibt plötzlich Sinn. Sie wirkt, als hätten Menschen, die Hilfe brauchen, gegen ihre Vermieter demonstriert. Und als wäre die berühmte Schauspielerin in die Bronx gekommen, um sie zu retten.

Patrick, ein junger afroamerikanischer Mitarbeiter Nixons, hatte dieses "Narrativ" der Veranstaltung zuvor in erstaunlicher Offenheit erzählt. Patrick hat seinen Job zu diesem Zeitpunkt gerade erst angefangen. Seine Jobbezeichnung, erklärt er, laute "Body Man". Es ist der Mitarbeiter, der immer am Kandidaten dran ist, nicht von der Seite weicht, den Weg und die Vornamen aller Umstehenden weiß, immer zur Eile drängt und manchmal auch auf Reporterfragen antwortet, die der Kandidatin zu banal sind.

Die Chefin von Nixons Wahlkampfteams scheint, zumindest inoffiziell, Nixons Ehefrau Christine Marinoni zu sein.

Sie ist bei jedem Auftritt an ihrer Seite und eine imposante Erscheinung, stets in einem Zwanzigerjahre-Herrenanzug, Krawatte, kariertem Hemd und Lederschuhen gekleidet. Nixon und Marinoni sind seit 2004 ein Paar, seit 2012 verheiratet, 2011 hat Marinoni einen gemeinsamen Sohn geboren, Nixon hat zwei ältere Kinder aus ihrer ersten Ehe mit einem Mann.

Am Abend eines Wahlkampftags mit vielen verzweifelten Mietern, zu Beginn ihres Wahlkampfmarathons, feiert Nixon ihren 52. Geburtstag. Sie gibt dafür eine kleine Party mit Überraschungsgästen für ihre Unterstützer in einem Theater in Manhattan. Journalisten sind nicht zugelassen.

Wer allerdings 25 Dollar im Internet spendet, darf rein. Der SPIEGEL ist also gezwungen, seine journalistische Neutralität aufzugeben, ich greife jetzt offiziell als Wahlspender von Cynthia Nixon in den New Yorker Wahlkampf ein (die Kehrseite: Seitdem bekomme ich relativ deutliche Aufforderungen, mehr zu machen, als nur Geld zu spenden. Zum Beispiel Alten und Schlechtergestellten am Wahltag zur Wahlurne zu helfen).

Die Gäste bei dem Geburtstagsfest ergeben eine interessante Mischung aus superaufgedrehten sogenannten LGBTQ-Leuten (Lesben, Schwule und Verwandtes), Bernie-Sanders-Fans (die einen neuen Bernie Sanders suchen) sowie Manhattaner Kulturmillionären. Mit den Leuten vom Vormittag, die Angst vor Immobilienhaien hatten, die angeblich mit Cuomo unter einer Decke stecken, hat das relativ wenig zu tun. Aber es ist ja auch ihr Geburtstag.

Der Überraschungsgast ist Rosie O'Donnell, Stand-up-Comedian und Schauspielerin. Sie wurde vor allem berühmt durch ihre jahrelange öffentliche Schlammschlacht mit Donald Trump, zu einer Zeit, als Spott für den späteren Präsidenten noch nicht zum guten Ton gehörte. O'Donnell ist eine von Nixons besten Freundinnen. Sie hat nicht 25 Dollar gespendet, sondern 21 000. In vielerlei Hinsicht ist sie das Gegenteil von Nixon. Sie ist eine Art weiblicher Bully mit ungezügelter Angriffslust. Sie warne Cynthias Gegner davor, sagt sie, sie zu unterschätzen.

Nixon-Ehefrau Marinoni: "Cynthia hat klar gewonnen"
DEVIN YALKIN / DER SPIEGEL
Nixon-Ehefrau Marinoni: "Cynthia hat klar gewonnen"

Bei den letzten Vorwahlen der Demokraten 2014 ist schon einmal eine Frau gegen Cuomo angetreten, eine kompetente Juraprofessorin. Doch viele Wähler hatten von ihr noch nie gehört, und so hatte sie gegen die Marke Cuomo keine Chance. Es müsse vielleicht jemand kommen mit einem größeren Megafon, habe sie damals gedacht, sagt Nixon. "Als dann Donald Trump gewählt wurde, weil wir alle jahrelang nur zugesehen haben, wurde mir klar, dass ich als Celebrity mein Megafon nutzen muss. Keine Ausreden mehr."

Schließlich sei sie ein "lebenslanger New Yorker", betont Nixon, anders als Andrew Cuomo, der weit oben in Albany sitzt, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, Richtung Kanada, und der verwöhnte Spross einer Politikerdynastie ist. Schon sein Vater Mario war Gouverneur von New York, mehr als zehn Jahre lang.

Nixon erzählt bei ihren Wahlkampfauftritten von ihrer Mutter, die alleinerziehend war und nicht viel Geld hatte. Diese habe, sagt Nixon, irgendwann herausgefunden, dass sie zu viel Miete zahlte, und begonnen, für eine faire Miete zu kämpfen. Was die Geschichte sagen soll, bleibt etwas im Unklaren. Dass es früher auch schon Mietwucher gab, also doch nicht alles Cuomos Schuld ist? Dass sie aus einfachen Verhältnissen kommt und nicht aus der Gouverneursvilla? Dass sie das Kämpferherz ihrer Mutter geerbt hat?

Nixon nimmt in New York City jeden Tag die U-Bahn. Und das, obwohl die ja völlig kaputt ist, seit Gouverneur Cuomo ihr angeblich das Geld abgezweigt hat, um stattdessen eine Brücke bauen zu lassen, die er dann nach seinem Vater benennt. Nixon hat herausgefunden, dass Cuomo in den letzten acht Jahren nur zweimal die Subway genommen hat. Beide Male für Fotomotive. Patrick, der Body Man, würde das wahrscheinlich ein schönes Narrativ nennen, aber wie die meisten schönen Narrative ist es nur halb wahr.

Die New Yorker Subway wird zum Teil vom Bundesstaat New York getragen, das wäre Cuomos Zuständigkeit. Zum anderen Teil ist die Stadt verantwortlich, und das betrifft den demokratischen Bürgermeister Bill de Blasio. Der gehört auch zur "progressiven Revolution" und ist ein Kumpel Nixons. In Cynthias Welt ist es deshalb lieber nur "Cuomo's Subway".

Der amtierende Gouverneur ist der perfekte Gegner für eine Disruptorin wie Nixon: Mehr Repräsentant des alten Systems geht nicht. Vater Mario wollte immer Präsident werden, doch er schaffte es nicht. Sohn Andrew hatte früh schon bei den Kennedys eingeheiratet durch seine Ehe mit Kerry, der Tochter des ermordeten Justizministers Robert F. Kennedy. Sein Bruder Chris Cuomo ist einer der bekanntesten politischen Fernsehjournalisten des Landes. Abend für Abend ist er damit beschäftigt, Trump-Leute auf CNN auseinanderzunehmen. Manchmal erinnern die den Journalisten Cuomo dann an die Skandale seines Bruder, des Gouverneurs, und klingen dabei wie Cynthia Nixon.

Vor ein paar Monaten wurde einer der engsten Vertrauten Cuomos, Joe Percoco (noch so ein Name wie aus einem Scorsese-Mafiafilm), wegen Bestechung verurteilt. Er wird wohl länger ins Gefängnis gehen. Für eine Mitwisserschaft Cuomos gibt es keine Hinweise, er bestreitet jegliche Verwicklung. Aber näher kann ein Skandal einem Spitzenpolitiker nicht kommen.

Als ich Nixon und Marinoni beim Mittagessen in einem Imbiss in der Bronx frage, warum sie Wahlkampfauftritte immer erst Stunden vorher ankündigen und es so schwer machen, den Termin noch zu erreichen, sagt Marinoni: "Wenn wir sie früher veröffentlichen, kommen Cuomos Leute und stören den Termin."

Das scheint ein bisschen übertrieben. Denn all dies spielt sich, kurze Erinnerung, in ein und derselben Partei ab. Nixon und Cuomo sind Parteifreunde. Allerdings, bei einem Auftritt Nixons in einer Kneipe in Queens, wo Nixon unter anderem eine Stunde lang hinter der Bar Drinks ausschenkte, stehen draußen auf der Straße acht bis zehn Menschen, die nicht aussehen, als hätten sie sich je für Politik interessiert.

Sie halten Papierblätter hoch, auf denen in immer gleicher Handschrift Anti-Nixon-Parolen gekritzelt sind. Die Blätter sehen aus, als seien sie in einer Minute hergestellt worden. Auf Nachfrage kann keiner der Demonstranten die Anliegen erläutern.

Die Politik im Bundesstaat ist dreckig. Sie unterliegt einem Paradox, das die "New York Times" neulich so zusammenfasste: "New York ist ein großer Staat mit kleiner Politik. Es ist das Zuhause von einigen der ambitioniertesten und erfinderischsten Menschen der Welt, doch seine politische Führung ist unterwandert von Parteifunktionären und Lobbyisten, durchsetzt von kleinkarierten Rivalitäten und systemischer Korruption."

Ende August trifft Nixon endlich im Fernsehen auf ihren Kontrahenten. Monatelang hatte Cuomo Nixon hingehalten, bis er zu einer Debatte bereit war. Sein erster Kommentar zu Nixons Kandidatur war der Hinweis, nun beginne die "political silly season", die Zeit der Narren. Dann fragte er, ob auch Billy Joel kandidiere.

»Dort, wo in den USA die gesellschaftliche Mitte vermutet wird, herrscht eine riesige Leere.«

Inzwischen hat Nixon in den Umfragen 13 Punkte auf ihn gutgemacht, der Abstand ist aber immer noch zweistellig. Cuomo hat 29 700 000 Dollar mehr zur Verfügung als Nixon. Ginge es nur nach Spenden von Privaten, herrschte Gleichheit: Cuomo und Nixon haben beide knapp 300 000 Dollar gesammelt. Nixon weigert sich, Firmenspenden anzunehmen.

Wenn eine Debatte, dann nur zu seinen Bedingungen, hatte Cuomo gesagt. Nämlich auf einer Bühne hinter einem Tisch sitzend, der Saal auf klirrende Kälte runtergekühlt. Nixons Leute haben das sexistisch genannt. Eine Frau habe ein anderes Kälteempfinden als ein Mann.

In seiner ersten Antwort sagt Cuomo, was seine Herausforderin fordere, sei schön und gut, doch die einzige wirkliche Bedrohung für den Staat sei Donald Trump. Der wolle den New Yorkern, von denen er sich ungeliebt fühle, das Leben zur Hölle machen. Relativ strikte Waffengesetze, Schwulenehe, Abtreibung, alles in Gefahr.

"Jemand muss sich ihm entgegenstellen. Aber man muss auch wissen, wie das geht", sagt Cuomo. Damit will er Nixons Vorwurf, er sei ein Bully, der mit Ellenbogen arbeite, ins Positive drehen.

Cuomo hat entschieden, seinen Wahlkampf auf seine Opposition zum Präsidenten zu bauen. Gar nicht so einfach für den Sohn einer New Yorker Dynastie, der wie Trump in Queens geboren wurde. Dummerweise ist ein Videoschnipsel aufgetaucht, der vor 28 Jahren auf Cuomos Junggesellenabschied gezeigt wurde. Darin riet der junge Donald Trump ihm zu seiner anstehenden Hochzeit, bloß niemals fremdzugehen (Trump wusste, wovon er sprach, und Cuomo befolgte den Rat offenbar, bis seine Frau fremdging und das Paar sich 2005 scheiden ließ).

Nixon unterbricht Cuomo immer wieder, sie beschimpft ihn als korrupten Lügner und hofft, dass Cuomo, wie es ihm manchmal passiert, die Fassung verliert. Irgendwann bittet Cuomo mit unterdrückter Wut: "Könnten Sie aufhören, mich zu unterbrechen?"

Nixon schießt zurück: "Nur wenn Sie aufhören zu lügen."

Nach der Debatte kommt Marinoni, Ehefrau und Wahlkampfmanagerin, durch die Halle gelaufen. Zum ersten Mal in drei Monaten möchte sie mit mir sprechen. Sie sagt: "Cynthia hat klar gewonnen!"

Ja? Cuomo hat mit Nixon gesprochen, als redete er mit seiner klugen, aber pubertierenden Tochter.

Und so weiß das Publikum nach der Debatte immerhin, dass Andrew Cuomo der bessere Schauspieler der beiden ist.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 37/2018.

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