Arnold Retzer ist Psychotherapeut, Mediziner und Leiter des Systemischen Instituts Heidelberg. Zu den Büchern des 66-Jährigen zählt "Lob der Vernunftehe" (Fischer 304 Seiten 12 Euro).
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Arnold Retzer ist Psychotherapeut, Mediziner und Leiter des Systemischen Instituts Heidelberg. Zu den Büchern des 66-Jährigen zählt "Lob der Vernunftehe" (Fischer 304 Seiten 12 Euro).

SPIEGEL: Herr Retzer, wenn Paare lange zusammen sind, beschwören sie die gemeinsamen Erinnerungen. Warum ist das "Weißt du noch ...?" so wichtig?

Retzer: Es ist wichtig, wenn es positiv ist. Es gibt in der Geschichte einer Paarbeziehung einen Gründungsmythos, wie sie sich kennen- und liebengelernt haben. Und wenn dieser Mythos angesprochen wird, kann der einen positiven, konstruktiven Effekt haben. Deshalb frage ich in der ersten Therapiesitzung danach, um ihn in die Kommunikation zu holen.

SPIEGEL: Und was passiert dann?

Retzer: In vielen Fällen verändert sich schlagartig die Atmosphäre im Raum. Die Partner kommen mit Messern im Anschlag herein, und plötzlich wirft das "Weißt du noch ...?" sie in eine völlig andere Stimmung zurück.

SPIEGEL: Die positive von früher.

Retzer: Genau, es kann aber auch sein, dass jemand sagt: Ja, ja, so war das damals, jetzt ist es aber ganz anders. Der Gründungsmythos muss noch eine Verbindung zur Gegenwart haben, um konstruktiv zu wirken.

SPIEGEL: Warum reicht es nicht, in der Gegenwart zu leben?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Wissen-Ausgabe 2/2019.
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