Ich habe mir den Film "Spiel mir das Lied vom Tod" nie angesehen. Ich verschwinde aus dem Wohnzimmer, wenn mein Mann "Game of Thrones" schaut, und ich bitte ihn vorher noch, den Ton ganz leise zu drehen, damit ich das metallische "Zwiiischhhhh" im Nebenraum nicht hören muss, wenn ein Schwert aus der Scheide gezogen wird. Ich kann den Text von Billie Holidays Südstaatenklassiker "Strange Fruit" – der beschreibt, wie Opfer von Lynchmorden an Bäumen hängen – nur schwer ertragen.

Bilder, Geräusche, Beschreibungen von Hinrichtungen verfolgen mich tagelang, sie machen mir Angst. Vielleicht ist das ganz normal, der Horror ist ja der gewünschte Effekt. Vielleicht hat dieser quälende Nachhall aber auch eine Ursache darin, dass in unserer Familie immer wieder über eine Exekution gesprochen wurde. Über die Hinrichtung von Elisabeth von Thadden am 8. September 1944 in Berlin-Plötzensee, meiner Tante.

Schafott, Guillotine, Fallbeil, geköpft, enthauptet. Ich kenne die Details aus den Erzählungen meiner

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 2/2019.
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