Kurz nach dem Mittagsmahl, wenn sich im brandenburgischen Zernsdorf schläfrige Ruhe ausbreitet, schleicht sich Richard Vogel auf die Bahngleise. Um 12.40 Uhr, das weiß der 67-Jährige, kommt die RB36 der Niederbarnimer Eisenbahn vorbei, auf dem Weg von Königs Wusterhausen nach Frankfurt (Oder). Danach hat er 40 Minuten Zeit bis zur nächsten Lok, um seine Welt in Ordnung zu bringen.

Der drahtige Pensionär geht mit gesenktem Blick die Bahnschwellen ab. Er bückt sich alle paar Meter und reißt eine Pflanze aus dem Schotterbett, jätet Unkraut. Denn wenn er es nicht tut, schickt die Bahn einen Giftzug, der Glyphosat verspritzt, direkt vor seine Haustür, neben dem Gemüsegarten, ganz nah am Brunnen.

Das hatte der Bahnfan nicht bedacht, als er sich vor vier Jahren einen Traum erfüllte und das Bahnhofsgebäude erstand. Vogel weiß genau, wovor er sich fürchtet. Er hat einen Doktortitel in Biologie, arbeitete jahrzehntelang als Toxikologe beim Bundesgesundheitsamt und beim Bundesinstitut für Risikobewertung

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 36/2019.
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