An einem Tag im August steht Lars G. auf einer Werft in Danzig und wühlt sich durch einen Haufen Müll. Er schiebt Holzteile und leere Dosen zur Seite, wirft Stofffetzen weg. Die "Godewind", eine rund zwölf Meter lange Segeljacht, steht direkt hinter ihm. Vor zehn Tagen kräuselten sich noch die Wellen um ihren Bug, jetzt steht sie in einer Halle. Das Wasser ist meterweit von ihr entfernt.

Arbeiter entrümpeln das Boot. Was sie finden, werfen sie auf die Müllhaufen ringsum. Drei Stunden lang habe er das Chaos durchsucht, sagt Lars G. Weil er hofft, darin persönliche Gegenstände seines Bruders Torsten zu finden. Der kehrte von einem Segeltörn mit der "Godewind" nicht zurück, seitdem gilt Torsten G., 55, als vermisst.

Sieben Wochen zuvor: Am Abend des 30. Juni 2018 starten Torsten G. und sein bester Freund Andreas K. von ihrem Heimathafen Gustow auf der Insel Rügen. Zwei Monate lang wollen die beiden über die Ostsee segeln. Seit Langem schwärmen sie von diesem Törn, drei Jahre haben sie die Reise geplant. Der Himmel ist leicht bedeckt, die Sonne geht langsam unter, als sie die Leinen von K.s Segeljacht lösen und die "Godewind" in Richtung Norden steuern. In den nächsten Wochen stoppen sie in Häfen in Schweden, Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Von dort soll es in Richtung Polen gehen und dann langsam zurück in die Heimat.

Am Abend des 30. Juni stechen die beiden Freunde am Hafen von Gustow in See.
privat

Am Abend des 30. Juni stechen die beiden Freunde am Hafen von Gustow in See.

Doch am 43. Tag ihrer Reise geraten die Männer in ein Unwetter. Sie sind auf dem Weg vom litauischen Klaipéda zu dem polnischen Hafen Hel, als ihre Jacht von einer großen Welle erfasst wird. Dabei sei sein Freund über Bord gegangen, sagt Andreas K.. Ohne eine Rettungsweste am Körper.

Der Überlebende des Unglücks, Andreas K., heißt eigentlich anders, er hat um ein Pseudonym gebeten. Lars G. und seine Familie treten unter ihrem echten Namen auf, wünschen sich aber, dass ihr Nachname abgekürzt wird. Beide Seiten wollen ihre Identität schützen. Beide Seiten leiden unter dem, was zwischen dem 11. und 12. August auf der Ostsee geschah.

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