Sommer 1945: Deutschland hatte den Krieg verloren, und aus Millionen Nazis wurden Millionen Deutsche, die eigentlich keine Nazis gewesen sein wollten. Höchstens Karteikarten-Nazis, vielleicht sogar mit einer klitzekleinen Spur von Widerstand; da müsste sich doch noch was finden lassen.

So saß damals auch Hans Bahlsen, 44, Vorstand der weltbekannten Keksfabrik in Hannover, über seinem Fragebogen für die Entnazifizierung. Und, ja, er fand etwas: "Ich war Stadtverordneter für die Deutsche Volkspartei im Rathaus von 1932–1933 und wurde 1933 von der NSDAP dieses Postens enthoben." Ein Regimegegner also, ein Opfer der Nazis?

Nein, nur ein Wendehals. Am 1. Mai 1933 trat Hans Bahlsen in die NSDAP ein, Mitgliedsnummer 3.555.351, am selben Tag in die SS, Nummer 99 713. Seine Brüder Werner und Klaus, die mit ihm im Vorstand saßen, waren Anfang 1935 Fördermitglieder der SS, unterstützten die Truppe mit Geld. Jahre später, 1942, gingen sie dann auch in die Partei.

Werner Bahlsen, nach dem Krieg ein großer

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 21/2019.
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