Die Frau ist Ingenieurin, welterfahren, sehr gelassen, und sie sollte eigentlich nur eine marode Kapelle vor dem Einsturz bewahren. Antonia Moropoulou sagt, sie habe nicht damit gerechnet, nebenbei Hinweise darauf zu finden, dass Teile der größten Legende der Weltgeschichte wahr sein müssen: der Legende von einem Mann namens Jesus, den 2,5 Milliarden Christen für den Sohn Gottes halten. Moropoulou sagt, sie habe es nicht einmal geahnt – bis dann im vergangenen Jahr die Ergebnisse einer chemischen Analyse kamen.

Die Professorin der Technischen Universität von Athen gilt als Spezialistin für die Rettung historischer Monumente in aller Welt. Und der zerfallende Bau, um den es ging, war jene Kapelle, die innerhalb der Jerusalemer Grabeskirche steht. Unter dieser Kapelle, so alte Überlieferungen, soll Jesu Leichnam nach der Hinrichtung in eine Höhle gelegt worden sein.

Nur: Welchen wissenschaftlichen Wert haben schon Überlieferungen in einer Stadt, die immer wieder zerstört und neu aufgebaut wurde, in der Schutt aus Jahrtausenden so vieles unter sich begraben hat?

Moropoulou und ihr Team begannen im Frühjahr 2016 mit den Bauarbeiten. Doch sie restaurierten nicht nur sorgfältig Stein um Stein, sie setzten auch alle Hightech-Geräte ein, die Archäologen heute zur Verfügung stehen: Laserscanner, Georadar, ferngesteuerte Kameras. Es war eine Operation, die über den Auftrag, die Kapelle zu restaurieren, weit hinausging. Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit, ein Heiligtum auseinanderzunehmen und zu vermessen?

Schließlich stießen die Spezialisten zum Heiligtum vor, in einer seit Jahrhunderten verschlossenen Kammer. Die Pilger bekamen dort bloß eine Steinplatte zu sehen, die das angebliche Jesus-Grab verschloss. Moropoulou ließ das Ding mit aller Vorsicht abheben, drei christliche Kirchenführer überwachten die Arbeiten.

Darunter die Überraschung: eine weitere Platte. Die Experten der Professorin hatten keine Ahnung, aus welcher Zeit die stammen könnte – also auch zur Seite damit.

"Darunter kam Geröll zum Vorschein", erzählt Moropoulou. "Wir entfernten es und fanden nackten Fels, so gemeißelt, wie die Felsengräber zur Zeit von Jesus gemeißelt waren." Es sei ein "unglaubliches Gefühl" gewesen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 14/2018.
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