Samer Tannous, 48, war Hochschuldozent in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Seit Dezember 2015 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im niedersächsischen Rotenburg (Wümme) und arbeitet dort als Französischlehrer. In seiner Kolumne für SPIEGEL+ schreibt er über seine Versuche, die Sitten seiner neuen deutschen Heimat zu verstehen. 

Ich bin 48 Jahre alt. Zunehmend frage ich mich: Bin ich noch jung oder schon alt? Es ist womöglich eine Frage der Perspektive. Ich habe nämlich den Verdacht, dass man sich in Deutschland länger jung fühlt als in Syrien.

Wie komme ich darauf? In Syrien würde man Menschen über 50 Jahre nur sehr selten laufen oder joggen sehen. Niemand würde dort im hohen Alter noch Sport treiben; man hätte Angst um sein Gleichgewicht und die Gesundheit. Das ist in Deutschland völlig anders. Hier fahren 80-Jährige noch Fahrrad! Oder laufen 42 Kilometer.

Vor drei Jahren konnte ich noch kaum Deutsch. In der Zeitung sah ich damals einen Bericht über einen Marathonlauf. Auf

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