"Jeffrey Epstein kennenzulernen", sagt Alan Dershowitz, "das war das Schlimmste, was mir je zugestoßen ist."

Es geschah hier, auf Martha's Vineyard, der feinen Urlaubsinsel für die US-Ostküstenelite. Epstein habe ihm als Gastgeschenk eine Flasche Champagner mitgebracht, erinnert sich Dershowitz. "Ich habe sie heute noch."

Der US-Starjurist, der einst O. J. Simpson verteidigte, sitzt an dem Esstisch seines Ferienhauses, an dem er vor 23 Jahren auch mit Epstein saß. Durch die offene Terrassentür riecht man das Meer, doch Dershowitz, 81, steht gerade nicht der Sinn nach Atlantik-Idylle.

Alan Dershowitz (stehend) im Prozess gegen O. J. Simpson 1995
Reed Saxon/ AP

Alan Dershowitz (stehend) im Prozess gegen O. J. Simpson 1995

Er kämpft um seinen Ruf und sein Lebenswerk.

Der Fall Epstein wühlt immer neue Schicksale auf. Der Multimillionär, der mal mit Donald Trump und Bill Clinton befreundet war, soll mehr als hundert minderjährige Mädchen missbraucht haben. Doch bevor ihm erneut der Prozess gemacht werden konnte, nahm er sich in seiner New Yorker Gefängniszelle das Leben.

Zurück blieben seine Opfer, mutmaßlich abgetauchte Komplizen - und etliche Prominente, die plötzlich mit in den Skandalstrudel und ins Visier der Justiz geraten sind. Zum Beispiel Alan Dershowitz: Epsteins Ex-Anwalt sieht sich nun selbst Vorwürfen ausgesetzt.

"Es ist entsetzlich", sagt er, "so beschuldigt zu werden."

Und so schwitzt Dershowitz dieser Tage über seinem wohl letzten Plädoyer - einem Plädoyer in eigener Sache. Vor sich hat er Ordner ausgebreitet und mit Filzstift markierte Aktenstapel. "Vertraulich" steht auf einigen in roten Großbuchstaben.

Dabei wollte er eigentlich die Früchte seiner Karriere genießen. Er ist einer der bekanntesten Strafverteidiger der USA, zu seinen Mandanten zählten Ted Kennedy, Patty Hearst, Claus von Bülow, Mike Tyson und O. J. Simpson. Nur einen einzigen Fall bereut er: "Hätte ich doch Jeffrey Epstein nie getroffen."

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