SPIEGEL: Herr Berzbach, Sie plädieren dafür, für eine festgesetzte Zeit zu fasten oder auf Fleisch oder Zucker zu verzichten. Warum?

Berzbach: Ich finde es gut, gelegentlich Fastenzeiten mitzumachen, für eine begrenzte Phase herauszufinden, wie es ist, lieb gewonnene Gewohnheiten außer Kraft zu setzen. Das ist dann eine Askese auf Zeit, eine Selbstüberprüfung und Bewusstwerdung. Das gibt es im Buddhismus ebenso wie in der christlichen Lehre oder im Judentum. Verzicht wird dadurch zu einer Form von Erkenntnisgewinn.

SPIEGEL: Was erfährt man beim Fasten über sich?

Berzbach: Dabei lerne ich mein Verhältnis zu meinen Abhängigkeiten kennen. Wenn man einige Wochen auf Fleisch oder Zucker verzichtet, testet man letztlich, ob man frei ist. Denn erst der äußere Verzicht beweist die innere Freiheit. Solange wir bestimmte Dinge einfach tun, glauben wir immer, wir wären davon nicht abhängig. Aber wenn man es dann ausprobiert, ist es nie ganz leicht. Ein starker Wille ist gefragt. Wer sieben Wochen fastet, wie in der christlichen Fastenzeit vorgeschrieben, verändert nicht allein die Genussfähigkeit, sondern auch seine Sicht auf die eigenen Lebensgewohnheiten und seine Grenzen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Wissen-Ausgabe 1/2018.
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