Es ist Nacht, kurz vor vier. Vollmond. Die Luft ist warm, man kann sich einreden, dass sie nach Pazifik riecht, es ist nicht weit bis ans Meer. Und die wunderschönen Berge von Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos, wirken im Mondschein wie aufrechte Schatten. Joan marschiert seit einer halben Stunde auf der Bundesstraße 200. Sie zieht sich von der Grenze Guatemalas nach Norden, immer am Pazifik entlang.

Vor und hinter Joan laufen sehr viele Menschen, eine große, ruhige Masse. Mexikaner, Guatemalteken, vor allem Honduraner. Väter, die schweigend Kinderwagen schieben, Mütter mit Babys, Kinder, die sich stumm durch die Nacht schleppen und deren Anblick einem das Herz zerreißt. In der Mehrheit sind es aber Männer. Junge Männer wie Joan Sánchez.

"Die Karawane", flüstert Joan in die Stille hinein, "sie ist wie mein altes Leben in Honduras. Manchmal willst du nur, dass es endlich aufhört."

Im Grunde ist Joan ein fröhlicher Kerl. Schmale Schultern, wache Augen, er mag Cowboyhüte, ist 26 Jahre

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 45/2018.
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