Jetzt bloß den richtigen Ton treffen. Motzig, genervt, selbstsicher. Auf keinen Fall ängstlich. "Sie brauchen doch bloß Ihre Knarre rausnehmen und durch die Couch zu schießen!" Maria Gräfin von Maltzan gab sich cool, dabei bangte sie um ihr Leben. Und um das des jüdischen Literaten Hans Hirschel, ihres Geliebten. Den versteckte Maltzan seit März 1942 in ihrer Wohnung in der Detmolder Straße 11 in Berlin-Wilmersdorf.

Für den Notfall hatte sie ihm den Bettkasten ihres Schlafsofas hergerichtet, das sich von innen mit Haken und Ösen fest verschließen ließ. Maltzan hatte Luftlöcher gebohrt und sie gut getarnt, hatte Wasser und Codein-Tabletten ins Versteck gestellt. Damit sollte Hirschel den Hustenreiz unterdrücken, zu dem er neigte.

Nun, etwa ein Jahr später, war der Ernstfall eingetreten. Maltzan war denunziert worden, die Gestapo durchsuchte ihre Wohnung. Die Männer rüttelten am Bettkasten ihrer Schlafcouch aus schwerem Mahagoniholz. Maltzan beteuerte, "dieses Ding" habe sich noch nie öffnen lassen. Drinnen lag Hirschel, schweißgebadet.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 2/2019.
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