Ein einziges Wort genügt dem Laubacher Justizinspektor Friedrich Kellner, um das Verbrechen des Regimes zu benennen. An den Rand eines Zeitungsberichts, der schildert, dass etwa 65.000 Juden aus der Slowakei in "Transporten abgeschoben" worden seien, schreibt er am 25. September 1942 nur: "Wohin"?

Er schneidet den Artikel aus, klebt ihn fein säuberlich in sein geheimes Tagebuch und notiert dazu: "Die sogenannte 'Bereinigung' Europas von Juden wird ein dunkles Kapitel in der Menschheitsgeschichte bleiben. Wenn wir in Europa so weit sind, dass wir Menschen einfach beseitigen, dann ist Europa rettungslos verloren. Heute sind es die Juden, morgen ist es ein anderer schwacher Volksstamm, der ausgerottet wird."

Es ist nur ein Eintrag auf fast 900 Tagebuchseiten. Als Kellner am 26. September 1938 beginnt, seine Gedanken niederzuschreiben, ist Hitler fünf Jahre an der Macht, die Nürnberger Rassengesetze sind seit 1935 beschlossen, Österreich bereits an Hitlerdeutschland angeschlossen. Während die

Lade...

Gutes lesen. Mehr verstehen.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Jeden Tag mehr Durchblick: Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe auf SPIEGEL ONLINE zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, von Reportern in aller Welt.
  • Dazu die digitale Ausgabe des wöchentlichen Magazins.
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 2/2019.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!