Krause, 38, ist Archäogenetiker, er analysiert DNA aus Knochen, die zum Teil Tausende Jahre alt sind. Seit 2014 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. Er rekonstruierte urgeschichtliche Migrationsströme und entdeckte durch die Analyse von 30 Milligramm Knochenpulver aus einer sibirischen Höhle einen neuen, engen Verwandten aus der Urzeit – den Denisova-Menschen. Nun hat Krause zusammen mit dem Journalisten Thomas Trappe ein Buch geschrieben, in dem es um etwas zutiefst Menschliches geht: wie der Homo sapiens, auf der Suche nach neuen Heimaten, immer wieder auf die Reise ging.

SPIEGEL: Herr Professor Krause, Sie behaupten in Ihrem Buch, ein Nachfahre Karls des Großen zu sein.

Krause: Natürlich! Das gilt für Sie aber auch. Der Mann lebte vor 1200 Jahren und hatte mindestens 18 Kinder. Fast jeder Europäer wird daher mit ihm verwandt sein, das ist pure Arithmetik.

SPIEGEL: Warum?

Krause: Die Zahl der Vorfahren, die man hat, verdoppelt sich mit jeder Generation. Wer ausgiebige Ahnenforschung bis ins 9. Jahrhundert betreibt, würde theoretisch auf Millionen Vorfahren stoßen. Da kann man sich sehr sicher sein, dass auch Karl der Große und viele andere wichtige Männer und Frauen des frühen Mittelalters dabei sind.

SPIEGEL: Dann ist in Europa fast jeder mit jedem verwandt?

Krause: Das können wir Archäogenetiker auch beweisen. Es gibt seit Jahrtausenden keine genetisch reinen Gruppen mehr in Europa, wir sind eine Mischung, ein Potpourri, und gehören alle einer großen Familie an.

SPIEGEL: Trotzdem sehen Portugiesen en gros anders aus als Thüringer wie Sie.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 8/2019.
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