Barbara Kavemann, geb. 1949, ist Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts für Geschlechterfragen / FIVE in Freiburg und Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Sie ist Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland. Für ihr Engagement gegen die Gewalt an Frauen und Kindern wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Berliner Frauenpreis und dem Bundesverdienstkreuz.  

SPIEGEL: Frau Kavemann, wo beginnt häusliche Gewalt?

Kavemann: Das kann man selten an einem Punkt festmachen. Die Entwicklung von Gewalt ist vielmehr ein Prozess. Wenn man Frauen danach fragt, wann die Gewalt begann – hierunter wird meist die körperliche Gewalt verstanden –, können sie viel eher Lebensphasen benennen. Schwangerschaft, Geburt und die Kleinkindzeit sind beispielsweise Lebensphasen, in denen es überdurchschnittlich oft zum Beginn von Gewalt kommt. Aber es gibt nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch verbale und psychische.

SPIEGEL: Wie zeigt sich die?

Kavemann: Es braucht schon eine sehr intensive Reflexion der Frau, bis sie erkennt, dass nicht nur Schläge eine Form der Gewalt in Beziehungen sind. Es sind auch vermeintlich kleine Dinge, wie etwa der Satz: "Du bist dumm." Immer wieder ausgesprochen, hat er auf das Selbstwertgefühl eine enorme Auswirkung. Irgendwann denkt sie wirklich, dass sie dumm sei und nichts könne. Das ist übrigens nicht geschlechtsspezifisch. Auch Frauen können ihrem Partner gegenüber verbal gewalttätig sein.

SPIEGEL: Gibt es denn eine geschlechtsspezifische Form von Beziehungsgewalt?

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