Der Neubau am Rand von Mainz, in dem der Historiker Rödder, 51, mit seiner Familie lebt, ist Teil einer kleinen Siedlung, ein Idyll westdeutschen Wohlstands. Und fast schon eine Metapher für die Geschichte der Bundesrepublik: Bis zum Abzug der amerikanischen Truppen befand sich ein Panzerübungsplatz auf dem Gelände. Als es als Bauland ausgeschrieben wurde, bot die Stadt an, sie werde die Grundstücke zurücknehmen, sollten die ehemaligen Besatzer Gift im Boden hinterlassen haben. Bislang ist keines gefunden worden. Hier hat Rödder, der CDU-Mitglied ist, sein neues Buch geschrieben. In "Wer hat Angst vor Deutschland?" geht es um die Selbstwahrnehmung der Deutschen seit den Befreiungskriegen und darum, wie die Nachbarn Deutschland sahen und sehen. Rödder beschreibt das große europäische Gespräch über das "deutsche Problem", wie miteinander geredet wurde und aneinander vorbei.

SPIEGEL: Herr Rödder, in Ihrem neuen Buch "Wer hat Angst vor Deutschland?" erzählen Sie vom komplizierten Verhältnis zwischen den Deutschen und ihren Nachbarn in den vergangenen zwei Jahrhunderten. Hat denn heute noch jemand Angst vor uns?

Rödder: Vor dem deutschen Streben nach militärischer Vorherrschaft sicher nicht mehr. Das ist vorbei. Etwas, das man die deutsche Unberechenbarkeit nennen könnte, gibt aber ganz sicher noch Anlass zur Sorge.

SPIEGEL: Warum das?

Rödder: Es gab und gibt zwei große Deutschlandbilder in der Wahrnehmung unserer Nachbarn. Das eine ist geprägt von Krieg und Gewalt, es beschreibt ein Deutschland der Stärke, das seine Nachbarn bedroht und das Europa beherrschen will. Das andere ist das Land der Wissenschaft, der Kunst und der Philosophie. "Kant und Bismarck", hat das ein französischer Autor im späten 19. Jahrhundert einmal ausgedrückt, "Universität und Schlachtfeld".

SPIEGEL: Wirkt das wirklich noch nach? Wir sind nun seit mehreren Generationen fest eingebunden ist ein stabiles Bündnissystem.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 39/2018.
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