Lipstadt wurde 1947 als Kind einer jüdischen Einwandererfamilie in New York geboren, ihr Vater stammt aus Hamburg. Die renommierte Historikerin lehrt in Atlanta. In ihrem Standardwerk über Holocaust-Leugnung entlarvte sie 1993 den britischen Autor David Irving als einen der gefährlichsten Geschichtsleugner. Den Verleumdungsprozess, den er deshalb gegen sie anstrengte, verlor er 2000. Anfang November erscheint Lipstadts Buch "Der neue Antisemitismus".

SPIEGEL: Frau Professorin Lipstadt, der Irving-Prozess fand in London statt, was empfinden Sie, wenn Sie heute hier sind?

Lipstadt: Jedes Mal, wenn ich in London bin, nehme ich dasselbe Hotel, in dem ich damals zwölf Wochen lang gewohnt habe. Als wir vor Gericht gewonnen hatten, haben mir sogar Taxifahrer und Leute auf der Straße gratuliert. Aber der Prozess war kein Vergnügen, es war eine Tortur, Jahre harter Arbeit. Zum Glück hatte ich wundervolle Anwälte und Unterstützer. Das Gericht befand, Irving sei ein Holocaust-Leugner, ein Rassist und Antisemit.

SPIEGEL: Er bestritt die massenhafte Ermordung der Juden in den Gaskammern von Auschwitz. Mit deutschen Neonazis war er bestens vernetzt. Irving erzählte, die Juden kämen deshalb immer wieder auf den Holocaust zu sprechen, weil es das einzig Interessante war, das sie je erlebt hätten.

Lipstadt: Es war unerträglich, wie er sich über Holocaust-Überlebende lustig machte. Vor dem Prozess zeigte er einmal auf die eintätowierte KZ-Nummer einer Überlebenden und fragte sie, wie viel Geld sie damit rausgeschlagen habe. Er behauptete, es seien mehr Frauen auf dem Rücksitz von Ted Kennedys Wagen auf Chappaquiddick gestorben als in Gaskammern von Auschwitz.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 44/2018.
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