Rahul Gandhi war 14 Jahre alt, als zwei Leibwächter seine Großmutter erschossen. Er war kaum 21, als eine Bombe seinen Vater zerriss. Heute ist er 48 und tut genau das, was sein Vater tat, als er starb: Er macht Wahlkampf.

Der Hubschrauber setzt auf dem Sandplatz auf. Eine Staubwolke wirbelt auf, zwei Rauchbomben explodieren, und heraus steigt – wie immer in weißer Kurta und weißer Hose – der Kandidat Rahul Gandhi. Die Zuhörer klettern auf Plastikstühle. Sie schwenken Fahnen und rufen seinen Namen. Rahul Gandhi erklimmt die Bühne und winkt. Am Rand flattern die Poster seiner Verwandten im Wind: Sonia, die Mutter. Priyanka, die Schwester. Und er selbst: Rahul, der Sohn.

Jahrelang hatten sich die Gandhis davor geziert, in die Politik zurückzukehren. Drei indische Premiers hat die Familie in der Vergangenheit hervorgebracht, zwei Gandhis starben bei Attentaten. Ihre Geschichte ist die einer Familie, der die Politik Macht verlieh und am Ende vieles nahm. Sie habe "wie eine Tigerin gekämpft", um ihren Mann vor der Politik zu bewahren, schrieb Sonia Gandhi einmal. "Sie würde ihn zerquetschen."

Und doch sind sie wieder alle dabei. Da ist Rahul, wie er im nordindischen Bundesstaat Haryana Hände schüttelt. Priyanka, wie sie in einem Boot über den Ganges schippert. Sonia, die hinduistische Rituale vollführt.

Was treibt einen Menschen – nach all dem Hass und der Gewalt – zurück in die Politik? Steckt dahinter Machtdurst oder Masochismus? Oder ist das einfach normal in einem Land, in dem alles Sache der Familie ist, selbst das Regieren?

Lade...

Gutes lesen. Mehr verstehen.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Jeden Tag mehr Durchblick: Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe auf SPIEGEL ONLINE zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, von Reportern in aller Welt.
  • Dazu die digitale Ausgabe des wöchentlichen Magazins.
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 21/2019.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!