Nadine Möller(*) kennt sich aus mit Abschieden, sie hat dafür eine einstudierte Choreografie. Ein Fest wird gefeiert, ein Koffer gepackt. Anschließend bringt Möller ihren Gast in sein neues Zuhause. Auf dem Rückweg im Auto, wenn sie allein ist, darf sie weinen.

Viermal hat Möller so Abschied genommen in den vergangenen vier Jahren. Ihre Gäste: Kinder, die sie aufnahm, weil das Jugendamt kurzfristig einen sicheren Ort für sie suchte. Bei ihren eigenen Eltern hatten sie Gewalt oder Hunger erlebt, ein Mädchen folgte Möller mehrere Wochen durchs Haus, ohne ein Wort zu sprechen.

Nadine Möller weiß: Die Choreografie macht die Trennung nicht leicht, aber erträglicher.

Sie sitzt im Schneidersitz auf dem Boden ihres Wohnzimmers, neben ihr tüftelt Niklas daran, die Brücke seiner Holzeisenbahn an das Schienennetz anzuschließen.

Als Niklas zu ihr kam, war er noch ein Säugling. Heute ist Niklas zweieinhalb Jahre alt – und ein Abschied noch immer nicht in Sicht.

61.383-mal nahm das Jugendamt im Jahr 2017

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 34/2019.
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