Der Bürgermeister von Riace, Domenico Lucano, von allen nur "Mimmo" genannt, steht am Fenster in seinem Wohnzimmer. Die Hände stecken in den Hosentaschen, die Schultern hängen, wehmütig blickt er auf sein Dorf. Auf Riace – ein paar Hundert Häuser auf einem Berghang an Italiens Fußsohle; 1600 Einwohner, davon 350 Migranten, drei kleine Kirchen, Bars und Läden; gut in Schuss und ziemlich belebt für so ein Kaff in Italiens Süden. Am liebsten würde Mimmo, klein, Bäuchlein, 60 Jahre alt, selbst hinuntergehen in sein Dorf, aber er darf nicht. Seit gut einer Woche steht er unter Hausarrest, als Bürgermeister ist er suspendiert.

Seit 20 Jahren ist Riace bekannt als Zufluchtsort für Migranten aus aller Welt. Es lebten hier zeitweise schon Tausende Fremde. Sie wohnen in den verlassenen Häusern der Kalabresen, kümmern sich um Vieh, Oliven- und Orangenhaine, sammeln Müll, lernen ein Handwerk, schicken ihre Kinder in die Schule, beginnen ein neues Leben im aussterbenden Dorf – sind gerettet und sind

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 42/2018.
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