Im vergangenen November schrieb der saudi-arabische Journalist und Regimekritiker Jamal Khashoggi für den SPIEGEL einen Essay über die Repression in seinem Heimatland. "Muss ich wirklich dabei zusehen, wie Freunde verhaftet werden? Muss ich alles gut und edel finden, was unsere Regierung tut?", fragte er darin. Damals lebte er als Vorsichtsmaßnahme seit einigen Monaten in den USA, schrieb Kolumnen für die "Washington Post". Als der SPIEGEL den Beitrag bei Khashoggi in Auftrag gab, kam es zu einem Missverständnis: Wir gaben ihm für die Länge die Anzahl von 10. 000 Zeichen vor, Khashoggi aber hatte 10.000 Wörter verstanden, und so wurde der Text sehr viel länger als bestellt.

In einem damals nicht veröffentlichten Teil des Essays befasste sich der Journalist mit den veränderten Machtstrukturen im Königshaus, seit Kronprinz Mohammed bin Salman an Einfluss gewonnen hatte. Er zeichnete das Bild eines absoluten Herrschers, beschrieb dessen uneingeschränkten Machtwillen und die Rücksichtslosigkeit, mit der er ihm nicht genehme Personen in der obersten Führung aus dem Weg räumte. Nach der Tötung Jamal Khashoggis im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul liest sich dieser Text wie ein unheimliches spätes Vermächtnis.

Wenn Mohammed bin Salman einen Konferenzraum betritt, geht er stets allein hinein, als Erster, alle anderen folgen ihm. Wir haben einen "obersten Führer", obwohl er nicht Staatschef ist. Denn das ist sein Vater, König Salman, der ihm bisher vertraut. MbS hat die absolute Macht ergriffen im zivilen und im militärischen Bereich. Und er hat die Struktur und Führungsebene der Sicherheitskräfte in einem beispiellosen Ausmaß umgebaut.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 44/2018.
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