Es war ein dramatischer Moment, doch alles geschah ganz still. Der 85-jährige Kaiser Akihito hielt den Blick nach vorn gerichtet, er hatte eine Art schwarze Krone auf dem Kopf und ein Zepter in der Hand, als er den Shinto-Schrein in seinem Palastgarten in Tokio betrat. Er war bekleidet mit einer Seidenrobe, die nur er tragen darf, der Tenno, der zugleich der ranghöchste Priester des Shinto ist, der japanischen Naturreligion. Sie leuchtet kupferfarben und symbolisiert die Sonne, wenn sie am höchsten steht.

Akihito verneigte sich und verschwand im Inneren des Heiligtums. Dort verlas er eine Botschaft an seine kaiserlichen Vorfahren, allen voran die mythische Sonnengöttin Amaterasu, von der er angeblich abstammt: Am 30. April werde er abdanken, teilte er mit.

Seit diesem Ritual Mitte März verfolgt die Nation gebannt, wie der 125. Tenno seinen Abgang inszeniert – für die Japaner ein epochaler Moment. Denn erstmals seit rund 200 Jahren steigt ein Oberhaupt der ältesten Monarchie der Welt zu Lebzeiten

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 17/2019.
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