Ein Gewerbegebiet im Südosten Münchens, an der Wand hängt ein DIN-A4-Zettel mit der Aufschrift "Wahlkreisbüro Jimmy Schulz MdB". Wer den FDP-Politiker auf Twitter und Facebook besucht, sieht noch immer einen wohlgenährten Mann Ende vierzig. Wer ihn trifft, erkennt ihn auf den ersten Blick nicht wieder. Schulz wog mal 90 Kilogramm, jetzt sind es 48. Nach der Begrüßung muss er sich die Hände desinfizieren, jede Infektion ist für ihn lebensgefährlich. Schulz geht langsam und leicht gebückt, er hat kaum noch Muskeln. Zum Sitzen braucht er ein Kissen, damit es nicht wehtut. In seinem Büro steht eine Schlafcouch, aber in dem gut zweistündigen Gespräch zieht er sich nur einmal kurz zurück.

SPIEGEL: Herr Schulz, wie geht es Ihnen?

Schulz: Mir geht es gut. Das ist erstaunlich, denn ich bin körperlich sehr eingeschränkt. Viele Dinge kann ich nicht mehr tun, aber das trübt meinen Lebensmut nicht. Die letzten Tage waren ein bisschen schwieriger. Ich hatte Schmerzen im Bauchraum und habe mir Sorgen gemacht, dass der Krebs wieder auf dem Vormarsch ist. Aber seit gestern weiß ich, dass alles in Ordnung ist.

SPIEGEL: In Ordnung?

Schulz: Der Krebs hat sich seit August vorigen Jahres nicht verändert. Er ist da, aber er ist durch die Chemotherapie eingefroren. Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht. Die Schmerzen haben also eine andere Ursache. Vielleicht hat es mit der Wirbelsäule zu tun und damit, dass ich kaum noch Muskeln habe und keinen Sport mehr treiben kann.

SPIEGEL: Wann haben Sie erfahren, dass Sie Krebs haben?

Schulz: Ich hatte schon während des Bundestagswahlkampfs 2017 Schmerzen. Ich dachte, das ist eine superstressige Zeit, da kann man Schmerzen haben vom Plakatieren, von wenig Schlaf, von schlechter Ernährung. Ich war bei drei Ärzten, aber die fanden nichts. Nach der Wahl war ich zum ersten Mal bei meinem Hausarzt, der mich zu einem Spezialisten schickte. Dieser wiederum hat mich sofort ins Krankenhaus eingewiesen.

SPIEGEL: Wie lautete die Diagnose?

Schulz: Ich habe darüber bislang nicht öffentlich gesprochen. Es ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wie Sie vielleicht wissen, gibt es da eine Überlebenschance von zwei Prozent. Zu diesen zwei Prozent gehöre ich nicht.

SPIEGEL: Wie viel Zeit haben Ihnen die Ärzte damals gegeben?

Lade...

Gutes lesen. Mehr verstehen.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Jeden Tag mehr Durchblick: Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe auf SPIEGEL ONLINE zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, von Reportern in aller Welt.
  • Dazu die digitale Ausgabe des wöchentlichen Magazins.
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 25/2019.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!